Der Rotstock-Klettersteig an der Eiger Nordwand (B)

Es war mir ein großer Herzenswunsch, endlich einmal durch die Schweizer Hochalpen zu wandern und ein wenig zu klettern. Schon vergangenes Jahr planten wir in unserem Sommerurlaub “die Großen” zu besuchen, das Wetter plante allerdings ohne uns. Dieses Jahr standen die Sterne besser und so begrüßten wir Eiger, Mönch und Jungfrau in Grindelwald mit einem freudigen Lächeln im Gesicht. Einen der 3 Riesen wollten wir näher kennen lernen. Und so erklommen wir den Rotstock, einen Ausläufer der schicksalsträchtigen Eiger Nordwand.

Am Campingplatz “Eigergletscher” in Grindelwald startete unsere kleine Reise zum Rotstock. Vom Pepemobil aus konnten wir den Felsturm am westlichen Ausläufer des Eiger schon sehen. Um auf dem Gipfel zu stehen, mussten wir aber erst einmal zum Bahnhof in Grund spazieren, dort 65 Franken pro Nase zahlen, um dann mit der Jungfraubahn zur Bergstation Eigergletscher auf 2320 Metern zu tuckern. Zusammen mit einer Gruppe aus Japanern, Indern, Amerikanern und sogar einigen Frauen in Burkas brachte uns die Zahnradbahn erst zur Station Kleine Scheidegg, wo gleich ein wildes Umsteigen begann.

Die ganze Welt will aufs Jungfraujoch

Die einen Touris wollten hoch, die anderen runter. Also tauschten die Züge ihre Fracht und setzten sich wieder in Bewegung. Der nächste Halt war unserer. Mit uns zusammen stieg nur eine Handvoll Wanderer aus, alle anderen wollten ganz hinauf. Mehr als 250 Franken ist es den Touristen aus der weiten Welt wert, bis auf das Jungfraujoch in 3454 Metern gefahren zu werden. An der Kasse in Grindelwald hingen sogar schon Zettel mit dem Aufdruck: “No Tickets to Jungfraujoch today”. Die 5.000 täglich herausgegebenen Karten waren bereits weg. Was eine Goldgrube. Wir blickten auf die Gletscherzungen und blauen Spalten des 3970 Meter hohen Eigers, dann folgten wir dem Pfad entlang der Felswand, wo wir auf dem Eiger-Trail in Richtung Einstieg wanderten.

Einmal hoch und runter

Etwa 30 Minuten dauerte der Weg bis zu den Drahtseilen am Fuße des Eigermassivs. Die Route führt einen zerklüfteten Vorsprung hinauf, an den vermauerten Resten einer alten Station im Fels vorbei und weiter durch ein schmales Kar. Da der Rückweg wegen eines Gletschersturzes gesperrt war, mussten wir hier auch wieder runter. Da war auch kein Problem, der Rückweg hätte uns eh wieder am Einstieg vorbeigeführt.

Fix zum Gipfel

Auf dem griffigen Fels ließ es sich gut anpacken und die einfache Route erlaubte es auch, die Blicke schweifen zu lassen. Trotz der Hitze kamen wir rasch vorwärts. Nordwände haben eben im Hochsommer so ihre Vorteile. Angenehm schattig führt die Route an Fixseilen quer durch das kleine Kar und weiter trittreich hinauf bis zum Gletscherplateau. Es folgte noch eine kurze Kletterei, dann standen wir schon auf dem Gipfel und ließen die Szenerie auf uns wirken. Noch nie war ich 3 so großen und berühmten Bergen so nahe.

Unter Prominenten

Nur eine Dreiviertelstunde nach dem Einstieg saßen wir schon am Gipfelkreuz, vesperten genüsslich und genossen die Aussicht. Face to Face mit dem Mönch, daneben Jungfrau, den Eiger im Rücken. Es gibt wahrlich schlimmere Orte auf dieser Welt. Wir ließen uns eine halbe Stunde in der Sonne rösten, dann brachen wir wieder auf. Retour ging es auf dem selben Weg, bis wir am Fuße des Eigers auf den Eiger-Trail stießen.

Einstieg Rotstock-Klettersteig

 

Die Hitze von Grindelwald

Der Eiger-Trail führt eindrucksvoll direkt unterhalb der mächtigen Nordwand vorbei. Unweigerlich wanderten die Blicke nur allzu oft die Wand hinauf. Irgendwo da oben hingen Kletterer in der Wand, die sich in mehreren Tagen bis zum Gipfel durchschlugen. Beim Anblick der Wand aus der Nähe wirkte dieser Gedanke fast unglaublich. Obwohl wir relativ schnell vorwärts kamen und einige japanische Wandergruppen überholten, hing die Nordwand fast unverändert über uns. Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch. Erst nach fast 5 Stunden Hatscherei in praller Sonne und bei Temperaturen von über 30 Grad kamen wir wieder am Campingplatz in Grindelwald an. Ein Rückweg, der zwar wunderschön, uns an diesem Tag aber fast etwas zu lang war. Um so wohltuender war das anschließende Fußbad im Bach. Die schmerzenden Füße sagten laut Danke.

Fazit

Der Rotstock-Klettersteig ist ein leichter Steig, der seinen Reiz eindeutig der Nähe zum Eiger und der grandiosen Aussicht auf Mönch und Jungfrau zu verdanken hat. Die Kletterei ist durchgängig nicht schwierig und kann getrost auch von Kindern in Begleitung erfahrener Eltern gemeistert werden. Die Route verläuft größtenteils im Schatten, was den Steig zum Tourentipp für heiße Tage macht. Die Aussicht am Gipfel ist auch die teure Anreise mit der Jungfraubahn wert. Sparen kann man sich das Geld aber, wenn man von Grindelwald oder Lauterbrunnen aus in Richtung Kleine Scheidegg und Eigergletscher aufsteigt. Jedoch sollte man dann den Abstieg nicht unterschätzen: Über den Eiger-Trail führt ein mehrstündiger Abstieg zurück nach Grindelwald.

 

Zur Galerie: Bilder vom Rotstock – Klettersteig

Die Tour gibt es auch auf meiner interaktiven Klettersteigkarte: Der Rotstock – Klettersteig mit GPS-Daten, Wegbeschreibung und Fotos

 

Eiger Nordwand

 

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2 Gedanken zum Artikel “Der Rotstock-Klettersteig an der Eiger Nordwand (B)

  1. I climbed the same klettersteig a couple of years ago. It was great fun. I enjoyed seeing your photos of the climb.

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