Die Karhorn Klettersteige: Klettergenuss an Ost- und Westgrat

Karhorn GipfelEin stabiler, warmer Herbst wollte mit einer würdigen Klettersteigtour verabschiedet werden. Also zog es  uns Ende November in den nahen Bregenzerwald, um dort das 2.416 m hohe Karhorn von Warth aus zu besteigen. Gleich vorweg: Es war eine sehr gute Entscheidung.

Von unserer Haustüre bis nach Warth im Bregenzerwald sind es Luftlinie gerade einmal 44 Kilometer. Den benachbarten Widderstein kann man von uns aus sogar sehen. Setzt man sich allerdings ins Auto, um zur Talstation in Warth zu fahren, sitzt man fast 1,5 Stunden darin und zockelt über die kurvigen Landstraßen entlang der Bregenzerach nach Süden. Hittisau, Mellau, vorbei an der Kanisfluh, Schoppernau, den Hochthannbergpass hinauf bis wir endlich den ausgestorbenen Skiort Warth erreichten.

Nix Steffisalp-Express: Zu Fuß hinauf ist gesünder

An der Talstation wird in vielen Beschreibungen geraten mit dem Steffisalp-Express bis zur Bergstation aufzufahren, um sich einige Höhenmeter Fußmarsch zu sparen. Hätten wir eventuell auch gemacht – doch wir schienen die einzigen Menschen im gesamten Ort zu sein. Alle Hotels leer, Gaststätten geschlossen, kein Verkehr. Und schon dreimal kein Liftwart weit und breit, geschweige denn ein laufender Steffisalp-Express. Also schulterten wir unsere Rucksäcke und machten und an einen morgendlichen Aufstieg im Sonnenschein. Nach der langen Autofahrt kam uns das ganz gelegen, auch wenn der Weg erst einmal entlang der Skipisten hinauf führte.

Rutschpartie auf den Wartherhornsattel

Nach knapp 1,5 Stunden standen wir an der gespenstisch leeren Bergstation unterhalb des Karhorn-Gipfels. Einige kleine Restschneeflächen bedeckten hier und da die braungrünen Wiesen. Es war schwer vorstellbar, dass nur wenige Wochen später hier reger Skibetrieb herrschen würde.

Für uns hieß es jetzt aber erst einmal die Zähne zusammen zu beißen und den letzten Anstieg auf den Wartherhornsattel zu meistern. Dort wollten wir eine kleine Pause machen, um anschließend über den dort beginnenden Ostgrat-Klettersteig auf den Gipfel aufzusteigen. Der bereits leicht verschneite Pfad hinauf zum Sattel hatte aber so seine Tücken:

Im tiefen Matsch glitten wir teilweise haltlos herum und kämpften damit, nicht auszurutschen und im hohen Bogen in den kalten Schneematsch zu knallen. Besser gesagt kämpfte jeder für sich und wünschte sich gleichzeitig, dass es einen der Mitstreiter erwischen würde. Schadenfreude ist doch immer noch die beste Freude. 🙂 Nach 20 Minuten hatten wir diese kurzweilige und abwechslungreiche Passage alle unfallfrei überstanden und pausierten am Sattel, bevor wir uns an den eigentlichen Grund unseres Aufstiegs machten: den Ostgrat.

Klettern entlang des Ostgrats

Wenige Meter oberhalb des Sattels erreichten wir den Einstieg des 2001 erbauten Ostgrat Klettersteiges. Auf 600 Metern Länge überwindet der Steig knapp 250 Höhenmeter, bis er am Gipfel endet. Dabei führt die Route nach der Einstiegswand auf den Grat, dem sie auch die meiste Zeit folgt. Nur einmal sind wir in eine Scharte abgestiegen und haben kurz glatte Platten gequert. Ansonsten folgt das Stahlseil meist dem Gratverlauf, bis es in einer Rinne gut 30 Höhenmeter unterhalb des Gipfels endet.

Die Kletterei am Ostgrat ist nie wirklich schwierig, stets befindet man sich im Schwierigkeitsbereich rund um A und B, nur ganz selten B/C und findet zahllose Tritte und Griffe. So blieb uns viel Zeit um das eindrucksvolle Panorama zu genießen. Während rechts von uns der Widderstein, hinter uns der Biberkopf, das Hohe Licht und die anderen Gipfel des Allgäuer Hauptkamms in die Höhe ragten, konnten wir weiter nordöstlich die unverwechselbaren Gipfel der Höfats erkennen. Vom Blick nach Süden und in die Schweiz gar nicht zu reden. Selbst der Bodensee schob sich mit zunehmender Höhe in unser Blickfeld.

Nach 2 Stunden entspannter Kletterei bei ungewöhnlich warmen Temperaturen genossen wir den Gipfel dann in vollen Zügen. Kein Wind wehte, als wir neben dem Kreuz unsere Brotzeit machten, unsere Gipfelhalbe leerten und das Bergpanorama auf uns wirken ließen.

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Weiter auf dem Karhorn Westgrat Klettersteig

Ursprünglich war der Gipfel das Ziel einer Klettersteigtour am Karhorn. Doch seit 2009 hat man die Möglichkeit noch weitere 600 Meter am Stahlseil zu klettern. Fortgeschrittene Klettersteiger können nämlich noch den Panoramaklettersteig Karhorn Westgrat dranhängen, der am Gipfel beginnt und in stetem Auf und Ab exakt dem Verlauf des Westgrats folgt. Allerdings ist hier etwas mehr Mut, Erfahrung und Kraft nötig als am Ostgrat-Steig.

Die Route verläuft größtenteils im Schwierigkeitsbereich C, mit kurzen D-Passagen und auch leichten Gehpassagen (A bis B) teilweise luftig und ausgesetzt über den Fels. Da wir gut in der Zeit lagen, machten wir uns nach der ausgiebigen Pause wieder auf die Socken und erfreuten uns an der abwechslungsreichen Gratkletterei, die zwar Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert, aber mit traumhafter Kraxelei und genialem Panorama belohnt. Nach kurzweiligen 45 Minuten erreichten wir die Ausstiegsplatte am Südhang und folgten dem Pfad zurück zum Wartherhornsattel und anschließend direkt weiter zurück bis ins Tal.

Die niedrig stehende Herbstsonne zauberte ein Licht an den Tag, das sich gewaschen hatte und versüßte uns den Abstieg mit bester Bergromantik. Die Alpen sind im Herbst doch einfach am allerschönsten…

Abendsonne im Bregenzerwald

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Fazit

Die beiden Klettersteige Karhorn Ostgrat und der Panoramaklettersteig Karhorn Westgrat sind zwei wunderschöne Alpinklettersteige im Bregenzerwald. Während der Ostgrat-Steig auch für Einsteiger oder Kinder in Begleitung erfahrener Klettersteiger machbar ist, sollte der Westgrat-Klettersteig nur von erfahreneren Ferratisti angegangen werden. Da keiner der beiden Steige einen Notabstieg aufweist, sollten diese Hinweise im Vorfeld bei der Tourenplanung beachtet werden.

Auf-und Abtieg kann durch die Benutzung der Gondelbahn Steffisalp-Express von Warth aus um jeweils knapp 1 Stunde abgekürzt werden, doch auch vom Tal aus ist der Zustieg sehr angenehm, obwohl er teilweise mitten durch ein Skigebiet führt. Mit circa 8 Stunden Gehzeit ist die Klettersteigtour über den Ostgrat und Westgrat (Kletterzeit insgesamt 3 bis 3,5 Stunden) sowie 2,5 Stunden Zustieg und 1,5 Stunden Abstieg (je ohne Gondel) eine tagesfüllende und sehr lohnenswerte Unternehmung im Bregenzerwald.

 

Zur Galerie: alle Bilder vom Karhorn Klettersteig

 

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Ein Gedanke zum Artikel “Die Karhorn Klettersteige: Klettergenuss an Ost- und Westgrat

  1. Bernd sagt:

    Eine Herbsttour auf das Karhhorn ist so mit das schönste, was man in der Zeit in den Bergen machen kann. Toll! Bin jeden Oktober am Gipfel, wenn es sich zeitlich ausgeht.

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