Die Klettersteige in Braunwald (C)

Klettersteig Braunwald Leitereggstock Mittlerweile ist schon viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal von unseren Klettersteigtouren berichtet habe. Viel Arbeit und zwei Umzüge haben meine Aufmerksamkeit verlangt und die Muse war im Umzugschaos auch zeitweise verloren gegangen. Doch über unsere gestrige Tour muss ich einfach ein paar Zeilen verlieren. Denn die war endlich mal wieder ganz nach unserem Geschmack: Tolle Gipfel, steile Wände und ein Bergpanorama der ganz besonderen Art. Über das Wochenende zog es uns spontan in die Glarner Alpen in schweizer Kanton Glarus. Dort, tief hinten über Linthal, thronen die 4 Gipfel der Eggstöcke über dem autofreien Bergdorf Braunwald und bieten Klettersteigern genug Fels, Eisen und Drahtseil, um einen traumhaften Klettersteigtag zu erleben.

Nach einer gemütlichen Nacht im Pepemobil auf dem Parkplatz der Braunwaldbahnen ging es früh morgens hoch hinaus bis zur Bergstation Gumen. Von dort ist es nur ein kurzer Anstieg von etwa einer halben Stunde, bis man am Einstieg des Klettersteiges steht. Gleich 2 Eisenwege führen auf das Plateau des Leitereggstocks. Wir entschieden uns – wie die meisten anderen Tourengeher auch – für die spektakulärere Variante über die Nordostwand.

1.Runde: Besteigung des Leitereggstocks

Von Beginn an führt die Route steil aufwärts, immer entlang des schmalen Grates und erlaubt spektakuläre Tiefblicke. Viele luftige Passagen laden dabei zum Staunen ein und die ein oder andere ausgesetzte Querung sorgt für leichten Nervenkitzel. Da die Route allerdings mit viel, eigentlich viel zu viel Eisen verbohrt wurde, gewannen wir sehr schnell an Höhe und hatten nach einer halben Stunde bereits das Plateau am Leitereggstock erreicht. Zeit für ein kleines Frühstück in der Morgensonne.

Wolkenspiel am Vorderen Eggstock

Gestärkt ging es anschließend in die zweite Runde. Jetzt galt es, den ersten richtigen Gipfel der Tour zu besteigen. Mächtig ragte der Vordere Eggstock mit seinen 2449 Metern über unseren Köpfen empor. Der Höhenunterschied beträgt vom Plateau aus immerhin satte 139 Meter, die es erneut sehr zügig und direkt zu meistern galt.

Auch diese Passage meisterten wir problemlos, genossen auf dem Weg das eindrucksvolle Wolkenspiel um uns herum und erreichten nach kurzweiligen 30 Minuten ohne Eile das erste Gipfelkreuz der Tour. Bei bester Fernsicht, Sonnenschein und Windstille genossen wir den Gipfel, den wir glücklicherweise ganz für uns alleine hatten. Ein kurzer Eintrag ins Gipfelbuch durfte natürlich auch nicht fehlen.

Charlotte, die Hängebrücke am Grat

Anschließend folgten wir dem Weg hinüber in Richtung des wenige Meter niedrigeren Mittleren Eggstocks. Über die schwankende, aber jährlich teuer instand gesetzte Charlotte-Hängebrücke führt die Route auf den leichten Grat, der die beiden Felsgipfel verbindet. Die gut versicherte Passage ist sehr einfach und durchgehend versichert, birgt aber genau deswegen ihre Gefahren. Das 360°-Bergpanorama kann einen ganz schön in den Bann ziehen. Deswegen gilt hier mehr als sonst: Laufen ODER kucken.

Schön oder lieber steil? Routenwahl am Eggstock

Nun näherten wir uns dem letzten Teil der Tour, beziehungsweise den letzten beiden. Hinter der kugelrunden Biwakschachtel auf der Südflanke des Mittleren Eggstocks rückte auch schon das Grande Finale der Tour ins Blickfeld. Eine gut 70 Meter hohe, überhängende und ganz schön abweisend wirkende Felswand. Oben: ein weiteres Gipfelkreuz, das den Hinteren Eggstocks. Doch auch diejenigen, die auf diesen Adrenalinkick verzichten wollen, bietet der alternative Abstieg noch die ein oder andere spannende Passage im rutschigen Schrofenhang und origineller Doppelleiter kurz vor dem Ausstieg.

So teilten wir uns auf, um beide Varianten erleben zu dürfen. Während sich Lisa auf den gesicherten Abstieg über teils sehr steiles Schrofengelände und die lange zweispurige Leiter machte, nahm ich die Herausforderung der Steilwand an. Laut Literatur ist der schwierigste Teil mit drei D-Stellen und einem kurzen D/E-Überhang angegeben. Doch “dank” der vielen Eisenstifte waren die größten Herausforderungen die extreme Ausgesetztheit und die Angst, sich beim schwungvollen Klettern einen der zahlreichen Bolzen ins Schienbein oder die Hüfte zu rammen. 15 Minuten später war die Wand unter mir und ich stand wieder auf einem Gipfel. Dem letzten für heute.

 

Es folgte für beide noch ein gemütlicher Abstieg durch hochalpine Felslandschaften sowie ein schöner Höhenweg, bis endlich das wohlverdiente, aber teure Bier auf dem Ortstockhaus erreicht war. Ein würdiger Abschluss einer 7 stündigen Klettersteigtour in den Schweizer Alpen. Die sind von unserem neuen Heimat in Lindenberg gar nicht mal so weit weg, wie wir freudig festellten. Der Spielplatz wird größer 🙂

Fazit:

Die Klettersteige über die Eggstöcke bieten alles was das Klettersteiger-Herz begehrt: Eine Routenführung entlang eindrucksvoller Felsgrate und steilen Wänden, ein 360 Grad Alpenpanorama und mehrere Varianten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Mit dem Kinderklettersteig an der Gumen Bergstation hat sogar die ganze Familie Spaß am Fels. Der hohe Sicherheitsanspruch in der autofreien und touristisch hoch erschlossenen Gemeinde Braunwald hat zur Folge, dass leider etwas zu viel Eisen in den Felswänden verbaut wurde.

Vor lauter Bolzen tut man sich an vielen Stellen fast schon schwer, überhaupt Tritte im richtigen im Fels zu finden. Doch der Ausgesetztheit am Fels, dem wehenden Wind und dem Gipfelglück mit Grinsem im Gesicht tut das keinen großen Abbruch. Von Lindau über Bregenz und den Walensee (Vorsicht: Geheimtipp!) ist Braunwald für Süddeutsche auch ganz gut als Wochenendtrip machbar.

 

Die Tour gibt es wie immer auch auf meiner interaktiven Klettersteig-Karte: Route und Beschreibung der Klettersteigtour Braunwalder Klettersteige über die Eggstöcke in den Glarner Alpen.

Zur Galerie: Bilder Braunwald Klettersteige

Hinterer Eggstock Klettersteig

Oben!

2 Gedanken zum Artikel “Die Klettersteige in Braunwald (C)

  1. […] wir vor wenigen Tagen bereits einen Wochenendtrip zum Klettersteigen in die nahen Schweizer Berge unternahmen, zog es uns dieses Wochenende ins nahe Vorarlberg. Dort befindet sich mit der kurzen, […]

  2. Interessante Klettertour und schön beschrieben und bebildert. Hat ja wirklich viel zu bieten.
    Bei den ollen Hängebrücken habe ich immer ne Menge Respekt. Diese Tiefblicke.
    Sonnige Grüße an euch 🙂

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