Via Kapf: Klettersteigen kurz und knackig (D/E)

Via Kapf Klettersteig PatruckelVor über einem Jahr eröffneten wir die Klettersteigsaison bereits an den Felsen des Kapf (1153 m) über Götzis im Rheintal. Damals jedoch auf der benachbarten und sehr schwierigen Via Kessi. Die nur wenige Meter weiter nördlich ebenfalls die steilen Wände hinauf führende Via Kapf musste warten. Bis gestern.

Nachdem wir vor wenigen Tagen bereits einen Wochenendtrip zum Klettersteigen in die Schweizer Berge unternahmen, zog es uns dieses Wochenende ins Nahe Vorarlberg. Dort befindet sich mit der kurzen, aber relativ anspruchsvollen und ausgesetzten Via Kapf nämlich noch ein klasse Klettersteig und für uns ein noch offenes Projekt. So wurde geschwind der Rucksack gepackt und schon ging es im Pepemobil nach Götzis. Quasi zu unserem neuen Haussteig.

 

Ein schwieriger Zustieg im Regen

Am Parkplatz oberhalb von Meschach angekommen, hieß es erst einmal Warten. Es nieselte – entgegen der Vorhersage – und wollte lange Zeit nicht aufhören. Eine halbe Stunde verfolgten wir das Trauerspiel, dann wurde es uns zu bunt. Wir streiften die Regencapes über und machten uns an den abenteuerlichen Zustieg, den wir von unserer letztjährigen Tour über den Via Kessi Klettersteig ja schon kannten. Ein feuchter, verwurzelter und extrem rutschiger Pfad führt querend durch teilweise extrem steiles Waldglände entlang der Bergflanken des Kapf. Der Nieselregen machte das Unterfangen diesmal auch nicht unbedingt besser, aber wir haben schon dümmeres gemacht. Nach ungefähr 20 Minuten standen wir wiedermal beim Kessi, 2 Minuten später am Einstieg der Via Kapf.

Ein Einstieg mit Hindernissen

Von Bildern, Beschreibungen und Erzählungen her kannte ich die Besonderheiten des Einstiegs am Kapf bereits. Direkt am Fuße der Felswand steht ein Nadelbaum, den man auf den ersten 10 Metern auch gerne als Kletterhilfe einbeziehen kann. Die Wand führt im ersten Drittel des Steigs nämlich relativ senkrecht nach oben und fordert gleich zu Beginn viel Armkraft. Kombiniert feuchtem Fels, rutschigem Holz am Baum sowie matschigen Stiefeln war der Anfang gar nicht mal so ohne. Dazu kommt, dass Tritte und Bolzen am Kapf eher für größere Menschen ausgelegt wurden. So trat an der ersten D/E-Stelle – einem kurzen Überhang in der Einstiegswand – auch gleich unser Belay Kit in Aktion.

Luftig Klettern über dem Rheintal

Kurz oberhalb der fordernden Einstiegspassage mit D/E-Stelle folgen eine steile C/D-Passage und 2 feuchte, satte Aufschwünge im Schwierigkeitsbereich um C. Dann hat man bereits über die Hälfte der Route hinter sich und kann auf einem etwas längeren Band eine Rast einlegen. Hier kann man an sonnigen, klaren Tagen einen spektakulären Ausblick über den Bodensee im Norden, das unter einem liegende Rheintal und das dahinter empor ragende Säntismassiv  genießen. Der blaue Himmel blieb uns zwar verwehrt, doch eine gemütliche Pause ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Erst als wir gänzlich im Wolkenmeer zu verschwinden drohten, machten wir uns auf den Weiterweg.

Ausgesetztes Finale über dem Rheintal

Nun galt es nur noch eine schmale Querung zum Wandbuch zu meistern und anschließend im leichten Klettergelände weiter an Höhe zu gewinnen. Schon standen wir vor dem letzten Hindernis der Tour: Einer luftigen Querung, gefolgt von einem engen und steilen Kamin mit weiterer D/E-Passage, die weit ausgesetzt über dem Rheintal die letzten 15 Meter bis zum Kapf-Plateau hinauf führt.

Hier galt es noch einmal gut anzupacken. Doch dank der sinnvoll platzierten Tritthilfen und dem griffigen Fels kamen wir schnell voran und standen bereits wenige Minuten später am Kapf-Plateau. Die gesamte Tour samt Zustieg und längerer Pause in der Wand dauerte nicht länger als 1,5 Stunden, nun kamen noch etwa 15 Minuten Rückweg zum Auto dazu. Nach knapp 2 Stunden waren wir also wieder am Pepemobil und traten zufrieden die kurze Heimreise an.

Fazit:

Der Klettersteig Via Kapf ist neben der benachbarten Via Kessi einer von 2 kurzen Sportklettersteigen auf das Bergplateau des Kapf (1153 m) über Götzis im Rheintal. Er ist der leichtere der beiden Steige und wird trotzdem noch als extrem schwierig eingestuft. Im Vergleich zur Via Kessi ist der Klettersteig Via Kapf zwar etwas weniger extrem ausgesetzt, hat allerdings neben einer sehr anspruchsvollen Einstiegspassage auch ein knackiges Finale mit D/E-Stelle zu bieten.

Insgesamt sind die Tritte und Stahlbolzen ehr für größere Personen ausgelegt, kleinere Kletterer müssen sich oft lang machen. Wer die sportliche Herauforderung sucht und keine Zeit und Lust auf einen langen Zustieg und Abstieg hat, der ist hier richtig. Anfänger und Kinder sollten den Steig aber tunlichst meiden. Einen gefüllten Klettersteigtag kann man erleben, indem man Via Kessi und Via Kapf kombiniert und auch den in der Nähe liegenden Via Örfla besucht.

 

Zur Galerie: Bilder vom Klettersteig Via Kapf

Die Tour gibt es auch auf meiner interaktiven Klettersteigkarte: Der Via Kapf – Klettersteig mit GPS-Daten, Wegbeschreibung und Fotos

 

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3 Gedanken zum Artikel “Via Kapf: Klettersteigen kurz und knackig (D/E)

  1. Via Kapf sagt:

    Toller sportlicher Klettersteig, der einen Tick schwerer ist als die benachbarte Via Kessi!
    Am besten ein 50m Seil mitnehmen dann kann man sich auch noch durch das Kessiloch abseilen!

  2. […] ist. Gerade im Vergleich mit einigen Passagen der benachbarten Klettersteige Via Kessi und der Via Kapf, stufe ich den Überhang in der Via Örfla-Schlusswand klar als D/E ein. Hat man diese Stelle […]

  3. […] versprechen sollten. Offenbar werden die Steige oft als Rundtour gemacht, meistens links die Via Kapf hoch aufs Gipfelplateau und dann die Via Kessi wieder hinab, doch für den Anfang wollten wir es […]

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