Ein bunter Haufen am Saulakopf (D/E)

Saulakopf-KlettersteigWenn wir klettern gehen, dann meist zu zweit oder zu dritt. Nur ganz selten kraxeln wir im größeren Verbund an unseren Drahtseilen in die Höhe. Aber mit so einem bunten Haufen, wie er sich Anfang Juli den Saulakopf im Montafon hinaufkämpfte, waren wir bislang noch nie auf Tour. Pharmazeutin, Graphikerin, Banker, Geograph, Business Analyst, Fachverkäuferin,… Ein bunter Mix unserer Gesellschaft. Und alle hatten ein gemeinsames Ziel: Mit unserem Bergführer Wolfi wollten wir über den Saulakopf-Klettersteig den gleichnamigen Gipfel erklimmen.

Unangenehm zeitig klingelte der Wecker. Zwar fängt mein Tag unter der Woche ähnlich früh an, doch jetzt war Samstag, und die vergangene Nacht kurz. Viele interessante Gespräche mit Bergführern, Redakteuren und einigen der 40 anderen Teilnehmer des Klettersteig-Camps brauchten ihre Zeit und als die wenigen Biere für unglaublich viel Geld gezahlt wurden, war es plötzlich schon nach Mitternacht. Ein kurzes Frühstück musste daher genügen, außerdem wurden eh noch Lunchpakete verteilt. Bevor ich überhaupt wach war saßen wir bereits im Auto von Gargellen nach Vandans, von wo aus es dann, wild schaukelnd, im Wanderbus hinauf ins Rellstal ging. Durchgerüttelt, aber wach, liefen wir dann eigenständig den Fahrweg hinauf zur Heinrich-Hueter-Hütte (1766 m) und – da wir ja gerade erst warmliefen – direkt weiter hinauf, in Richtung der eindrucksvollen Ostwand. Ein längerer Geröllhang war im Anstieg etwas zäh, doch schon bald querten wir ein kurzes Schneefeld und standen auch schon am Einstieg.

Der Saulakopf (2516 m)

Der Saulakopf-Klettersteig führt erst über die Ostwand, dann über den Südostgrat auf den knapp 400 m über dem Einstieg liegenden Gipfel des 2517 m hohen Berges. Gemäß unserer Routenplanung am Vorabend sollten wir in gemütlichem Tempo zwei bis drei Stunden zum Gipfel brauchen. Das spielte eine Rolle, da für den Nachmittag eine gewisse Gewitterwahrscheinlichkeit vorhergesagt wurde und wir dadurch wieder rechtzeitig unten sein konnten. So reihten wir uns in die Kletterschlange ein und klickten uns die erste Linksquerung, bis zum eigentlichen Einstieg der Ferrata, entlang.

Eine etwa 3 Meter lange, leicht überhängende Stiegenpassage ist das erste – und aus Muskel-Perspektive – eigentlich auch das letzte kraftmäßig richtig schwierige Stück des Steigs. Eine klassische Schlüsselstelle eben. Die sind oft einmal direkt oder zumindest im Bereich des Einstiegs zu finden. Aus ganz einfachem Grund: Wer merkt, dass er dabei Probleme hat, der kann gefahrlos umdrehen. Steil, ausgesetzt und gelegentlich auch überhängend geht es dann noch ein gutes Stück weiter, wobei viele Trittstifte, Klammern oder natürliche Tritte den Aufstieg deutlich erleichtern.

Da unser Bergführer Wolfi mehrere Schäfchen zu beaufsichtigen hatte, schlugen wir ein langsames Tempo ein und ließen die Vorgruppe ziehen. Als er dann eine Teilnehmerin für kurze Passagen ans Seil nahm, gab er uns aber ein Zeichen und ließ uns zur anderen Gruppe aufschließen. Gesagt, getan.

Gibt es Steinchenschlag?

Ich denke ja eher nicht, aber Steinschlag klingt so mächtig, eindrucksvoll und ja, irgendwie auch final. Am Saulakopf wird auch vor Steinschlägen gewarnt. Immer wieder sorgt der blättrige Gneis (ich hoffe, ich habe das noch richtig in Erinnerung) für steinigen Nachschub am Hang unter uns. Wir hingegen wurden nicht von Felsbrocken aus der Wand geschleudert, dafür aber von einem vielleicht Tischtennisball-kleinen Steinplättchen leicht am Arm gestriffen. Immerhin. Was blieb, war eine überschaubar kleine Blutspur. Vielmehr erschreckte es jedoch. Und den Rest des Steigs wanderten unsere Blicke noch öfter als bisher nach oben.

Der Saulakopf (2516 m)Am Rastplatz – und gleichzeitig Notabstieg im Hangschutt über dem Südostgrat – trafen sich die beiden Gruppen wieder, um gemeinsam den letzten Abschnitt zum Gipfelkreuz anzugehen. Das Kletter-Highlight des folgenden Teils ist auf jeden Fall die neue Drahtseiltreppe auf eine exponierte Felsnase. Früher fand ich solche Passagen reizvoll, doch mittlerweile bin ich da wohl rausgewachsen. Klingt vielleicht etwas paradox, aber: Ich fühle mich am Felsen wohler als auf einer frei schaukelnden Stahlkonstruktion.

Wenigstens ist das Teil nicht lang und es geht schnell wieder am Fels weiter. Die Passagen im oberen Abschnitt sind klettertechnisch nicht allzu schwer, dafür umso schöner. Zahlreiche Grataufschwünge und Spaltenüberschreitungen machten diesen Abschnitt für mich zum Kurzweiligsten. Auch, weil das Panorama einfach stimmte. Der Blick hinunter über die kleine Heinrich-Hueter-Hütte und das Rellstal oder hinüber zum berühmten Kletterberg Zimba (2643 m) sind einfach gigantisch. Weit über der Baumgrenze zeigt sich die alpine Vorarlberger Bergwelt in ihrer vollen Pracht. Je näher wir dem Gipfel kamen, desto trüber wurde aber die Sicht. Das Wetter war zwar spitzenmäßig, doch leider zogen die vereinzelten Wolken in Gipfelhöhe umher und hüllten diesen just zu unserem Gipfelvesper in ein dickes, graues Kleid. Na dann, trotzdem: Berg heil.

Der Saulakopf (2516 m)Der Abstieg auf der Südostseite hinunter ins Saulatörl, mit tollen Blicken hinüber in die Schweiz, verlief problemlos und nach einer leckeren Hüttenmahlzeit brachte der schunkelnde Wanderbus auch alle wieder heile hinunter ins Tal. Zeitig losgekommen, früh im Steig, gemütlich geklettert, ein zünftiger Hüttenstopp und kein Gewitter. Offenbar einiges richtig gemacht, an diesem Tag in Vorarlberg.

Fazit:

Der Klettersteig auf den Saulakopf ist ein toller alpiner Sportklettersteig nach meinem Geschmack. Raue alpine Landschaft, knackige Kletterstellen und eine attraktive Routenführung. Der lange Zustieg (Anfahrt mit dem Wanderbus eingeschlossen) garantiert – zumindest in der Früh- und Spätsaison – einen freien und nicht überfüllten Steig, in dem man wunderbar das fantastische Vorarlberger Bergpanorama genießen kann. Wie erwähnt, gibt es im oberen Steigabschnitt seit Kurzem eine Art Drahtseilbrücken-Treppe.

Wer solche wackelnden Stahlgestelle nicht mag, der kann sie auch gesichert umgehen,  Jeder wie er will. Familientauglich ist der Steig übrigens nicht wirklich und für Anfänger ist er gleich gar nicht geeignet. Was mich störte, war die allseits vorhandene Steinschlaggefahr durch vorauskletternde Personen. Aber das Problem stellt sich ja vielerorts. Hier gilt es wirklich immerzu wachsam zu sein, nach oben zu sehen und die Ohren zu spitzen.

Eine ausführliche Tourenbeschreibung mit gpx-track zum kostenlosen Download gibt es auf meiner interaktiven Klettersteig-Karte.

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Ein Gedanke zum Artikel “Ein bunter Haufen am Saulakopf (D/E)

  1. […] ragt der markante Gipfel der Zimba (2643 m) empor. Ein Berg, dem wir bei unserer Tour auf den Saulakopf sehr nahe waren, den wir aber aufgrund der dichten Wolkendecke damals nie zu Gesicht bekamen. […]

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