Ein echtes Leichtgewicht: Der Black Diamond Couloir im Test

Black Diamond CouloirIch packe meinen Rucksack für eine Klettersteig-Tour und nehme mit: Erste Hilfe-Set, Regenjacke, Wechselklamotten, Trinkblase, Handy, Verpflegung, Sonnencreme, Helm, Klettersteig-Set, Bandschlingen, Karabiner und nicht zu vergessen: einen Klettergurt. Bei so einer Packliste kommen schnell ein paar Kilo zusammen, die dann auch den ganzen Tag mit herumgeschleppt werden wollen. Das mag so lange gut gehen, bis man in einer kraftraubenden Überhangpassagen hängt. Oft macht sich nämlich genau dann jedes einzelne Gramm zuviel auf unsympathische Weise bemerkbar. Daher gilt es Gewicht einzusparen wo es nur geht. Mit dem superleichten Klettergurt Couloir von Black Diamond zum Beispiel.

Zugegeben, als ich das Päckchen öffnete das mir der Postbote ins Haus brachte, war ich mir nicht ganz sicher, ob überhaupt etwas drin sein würde. Ungläubig öffnete ich es und staunte nicht schlecht: Vor mir lag ein kleiner oranger Packsack, nicht viel größer als mein Smartphone und auch nur wenig schwerer. Mit einem Gewicht von gerade einmal 230 Gramm (!) ist der Black Diamond Couloir sogar mehr als doppelt so leicht wie meine beiden alteingesessenen Begleiter, der Petzl Corax (490 g) und der Salewa Tour Duo (510 g). Doch um dies zu erreichen, wurde beim Couloir auf jegliches Schnickschnack verzichtet.

Fast nackt
Während andere Klettergurte oft dick gepolstert sind, um einen möglichst hohen Sitzkomfort zu gewährleisten, kommt der Couloir relativ nackig daher. Er besteht ausschließlich aus extrem stabilen Nylonbändern, einer Aluminiumschnalle sowie einigen Plastik-Clips. Dies hat wiederum den Vorteil, dass er nicht nur extrem leicht, sondern auch sehr schmal und äußerst flexibel ist. Der Gurt hat zwei – ziemlich weit vorne angebrachte – Materialschlaufen, die ebenso nur aus dünnem Nylon bestehen. Auf einen schützenden Gummimantel wurde verzichtet. Wer viel Material mit sich führt, der hat hier eventuell schnell Platzprobleme. Allerdings hat der Gurt Befestigungsschlitze für bis zu vier weitere Eisschraubenkarabiner, die das Platzproblem dann schnell lösen. Eisschraubenkarabiner übrigens deswegen, weil der Couloir ursprünglich für Ski- und Bergtouren entwickelt wurde, auf denen auch jedes Gramm zählt und Praktikabilität einen hohen Stellenwert hat.

Genial einfach – einfach genial
Auffällig am Couloir sind daher auch die so genannten QuickRelease-Beinschlaufen. Diese ermöglichen es den Gurt anzuziehen, ohne dabei Skier, Schneeschuhe oder Steigeisen abnehmen zu müssen. Dabei wird er einfach von hinten mit geöffneten Clips um die Hüfte gelegt, die Gurtbänder durch die Anseilschlaufe gefädelt und die Sicherungsschlaufe geschlossen. Anschließend können die beiden Clips links und rechts mühelos zwischen den Beinen hindurchgeführt und eingeklickt werden. Zwar stehen Klettersteiger recht selten mit Skiern oder Schneeschuhen am Berg, doch auch für Ferratisti hat diese Technik einen großen Vorteil. Nicht selten ist das Gelände unterhalb des Einstiegs zum Klettersteig abschüssig, rutschig, exponiert oder alles zusammen. Einbeinige Balanceakte beim Versuch die klobigen Bergschuhe durch die Beinschlaufen zu stecken, sind ein großes Risiko  und können in solchem Gelände schnell zu Stürzen und Verletzungen führen.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Verzicht auf die gängigen Doubleback-Schnallen zugunsten einer klassischen Rückfädelschnalle. Doch um den Gurt so bequem anlegen zu können, muss er eben komplett geöffnet werden. Das korrekte Durchfädeln des Gurtbandes sollte hier im Vorfeld allerdings einige Male geübt werden. Denn bei falscher Anwendung kann sich der Gurt sonst öffnen und vollständig vom Körper lösen! Allerdings kann der Gurt auch auf die herkömmliche Weise angestreift werden, ohne dass jedes Mal die Schnalle komplett geöffnet werden muss.

Black Diamond CouloirSitzt der Gurt dann am Körper, merkt man gleich, dass sich Black Diamond bei der simplen Konstruktion etwas gedacht hat. Kein Gurt den ich bisher getragen habe, saß je so bequem wie der Couloir. Man spürt ihn kaum, hat jegliche Bewegungsfreiheiten und das Beste ist: er ist so schmal, dass er nicht mit den Hüftflossen des Rucksacks kollidiert, sondern einfach darunter getragen werden kann. Weiterhin ist auch die Bequemlichkeit positiv hervorzuheben. Zwar meint man erst, der ungepolsterte Nylongurt würde an allen Ecken drücken. Doch die 4,5 cm breiten Beinschlaufen sind bemerkenswert bequem und lassen die Verschnaufpausen in der Rastschlinge nicht zur Qual werden. Nach längerem Sitzen könnte das Nylon auf nackter Haut womöglich aber schon unangenehm reiben.

Fazit:
Der Black Diamond Couloir ist mein neuer Lieblingsgurt für ausgedehnte Klettersteigtouren. Er ist unglaublich leicht, nimmt im Rucksack kaum Platz weg und kann in jede noch so kleine Ritze geknäult werden. Daneben ist er leicht anzuziehen und sitzt – auch mit Rucksack – unglaublich bequem am Körper. Den einzigen kleinen Minuspunkt erhält der Couloir für die beiden sehr weit vorne angebrachten Materialschlaufen. Hängt man seine Klettersteig-Karabiner dort ein (was auf langen Gehpassagen oft vorkommt), so baumeln die Karabiner-Äste beim Gehen ungewohnt tief vor den Beinen herum, was ich als leicht störend empfand. Abgesehen davon ist dieser Gurt einfach nur toll. Patruckel ist hellauf begeistert und spricht hiermit eine eindeutige Kaufempfehlung aus.

markiert , , , , ,

Ein Gedanke zum Artikel “Ein echtes Leichtgewicht: Der Black Diamond Couloir im Test

  1. JeeperMTJ sagt:

    Den Couloir habe ich auch seit 2 Saison. Bin sehr zufrieden damit. Ursprünglicher Kaufgrund war die Gewichtsersparniss für Skitouren oder lange KS-Touren. Allerdings ertappe ich mich immer öfters, dass ich ihn auch für andere Sachen nehme. Meine bessere Hälfte hat mittlerweile auch einen, nachdem sie meinen ständig “geklaut” hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen