Eine Allgäuer Klettersteig-Perle: Die Lachenspitze-Nordwand (C/D)

Am Klettersteig auf die Nordwand der LachenspitzeWer ins Allgäu kommt, um den ein oder anderen Klettersteig zu machen, der muss jetzt tapfer sein und weiterlesen. Denn dieser Artikel handelt von einem Klettersteig, den man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, wenn man ans Allgäu denkt.

Da wären schon eher der lange Hindelanger Steig am Nebelhorn, der Mindelheimer oder vielleicht noch der Sportklettersteig auf die Kanzelwand, die einem ins Auge stechen. Der Klettersteig auf die Lachenspitze hingegen landet nur auf wenigen Tourenlisten. Und trotzdem, vielleicht auch ein wenig gerade deshalb, ist der Klettersteig im Tannheimer Tal eine kleine Klettersteig-Perle der Region. Denn hier passt einfach alles: Vom Zustieg über die Wand, die Routenführung, über den Ausblick am Gipfel bis hin zum Abstieg auf verschlungenen Pfaden. Einzige Voraussetzung: Gutes Wetter. Wir hatten Glück und die Schönheit rund um den Vilsalpsee offenbarte sich uns.

Als Drahtseilartist turne ich nun schon einige Jahre in den Bergen herum. Seit zwei Jahren vorzugsweise im Allgäu, meiner Wahlheimat. Dort gibt es zwar nicht die höchsten Berge der Alpen, meiner Meinung nach aber die schönsten. Das satte Grün, die felsigen Gipfel und die Silhouette des Allgäuer Hauptkamms haben es mir einfach angetan. Und ganz nebenbei gibt es in der Region auch eine Handvoll richtig toller Klettersteige, die man einfach begehen muss.

Dazu zählt auch der Klettersteig auf die Lachenspitze (2130 m). Versteckt im tiefsten Winkel des Tannheimer Tals, hinter Vilsalp- und Traualpsee, wurde ein Klettersteig-Sahnestückchen in den Fels der Nordwand geschlagen, das man sich als Klettersteig-Liebhaber nicht entgehen lassen sollte. Leider war der Steig aufgrund eines Bergsturzes am Südwestufer des Sees lange Zeit nur schwer zugänglich. Der direkte Weg über den Vilsalpsee war gesperrt und den langen Alternativweg übers Neunerköpfle scheute ich. Der läuft ja nicht davon, dachte ich mir und widmete mich anderen Projekten.

So geriet der Steig etwas in Vergessenheit, bis ich kürzlich erfuhr, dass der ursprüngliche Zustiegsweg wieder begehbar sei. Sofort rutschte er ganz nach oben auf meine To Do-Liste und die Terminfindung begann. Als sich im August einer der spärlichen Sonnentage des Jahres ankündigte, war sofort klar. Heute gehts (wieder einmal) ins schöne Tannheimer Tal.

Vorbei an schicksalsträchtigen Orten

Kalt war es, als wir am Ufer des Vilsalpsees aus dem Auto stiegen und unsere Rucksäcke aufluden. 8 Grad zeigte das Thermometer im Auto an – ein ganz normaler Morgen im August 2014 eben. Eingehüllt in warme Jäckchen machten wir uns auf den etwa zweieinhalbstündigen Zustieg zur Landsberger Hütte, am Fuße der schattigen Nordwand der Lachenspitze.

Am Klettersteig auf die Nordwand der LachenspitzeDie Berge spiegelten sich im ruhigen Wasser des Vilsalpsees und ein toller Bergtag stand uns bevor. Freudig marschierten wir weiter, bis wir links des Weges einen unverfehlbaren Gedenkstein erreichten, der uns nachdenklich stimmte. Denn genau an dieser Stelle stürzte in den 90er Jahren der Rettungshubschrauber Christopher 5 ab, wobei eine Ärztin ums Leben kam.

Noch heute ziert ihr lächelndes Gesicht den Fels und erinnert an eine junge Mutter, die Ihr Leben für Andere riskierte. Ich hatte schon vor langer Zeit die Geschichte des Absturzes gehört, wusste jedoch nie genau wo der Heli runterkam. Nun standen wir unvermittelt genau an dieser Stelle. Nichts deutete auf die einstige Tragödie hin. Wir standen in einem bunten Blumenmeer, die Kuhglocken schallten aus der Ferne und die Vögel zwitscherten vergnügt im Sonnenschein. Ein friedlicher, schöner und trauriger Ort zugleich.

Durchs Seenland der Landsberger Hütte

Der schöne Pfad windet sich weiter hinauf, bis wir 450 Höhenmeter weiter oben erst den Traualpsee, dann wenig später die Lache erreichten. Hier begrüßte uns auch gleich die einladende Landsberger Hütte mit Flädlesuppe und Hollerschorle. Die Hütte liegt oberhalb des Traualpsees und bietet Klettersteigern einen idealen Blick auf die eindrucksvolle Route hinauf zur Lachenspitze. Keine 200 Meter entfernt bäumt sich die steile Wand auf und hier und da kann man – klein wie Ameisen –  Kletterer erkennen, die sich den Weg nach oben bahnen. Jetzt waren wir heiß und konnten es kaum noch abwarten. “Wirt, zahlen bitte. Wir müssen los!”.Am Klettersteig auf die Nordwand der Lachenspitze

Schwierig unten, schwierig oben

Nach einem kurzen Zustieg durch den Schutthang erreichten wir den Einstieg, legten unsere Klettergurte an und setzten die Helme auf. Es konnte losgehen. Auf eine erste kleine Prüfung in der doch recht fordernden Einstiegswand folgten mehrere Stellen in zwar steilem, teilweise plattigen Gelände, doch die technischen Schwierigkeiten waren bis zum ersten größeren Absatz nicht mehr all zu groß.

Am Klettersteig auf die Nordwand der Lachenspitze Am Klettersteig auf die Nordwand der Lachenspitze Am Klettersteig auf die Nordwand der Lachenspitze

Am Klettersteig auf die Nordwand der Lachenspitze Im Mittelteil des Steigs klettert man einen schönen Plattengrat hinauf, quert einen Kamin auf einem Klemmblock und folgt dem Stahlseil weiter aufwärts über einige Rampen zu einem markanten Überhang, der die schwierigste Stelle des Steigs markiert. Hier wird noch einmal richtig Mut und Kraft verlangt, obwohl Arme und Beine schon schwer und die Kraftreserven relativ aufgebraucht sind. Ist der Überhang geschafft, folgt man dem Stahlseil wieder über mehrere Rampen und klettert aussichtsreich den Grat hinauf. Nach zwei Stunden und gut 265 Höhenmetern ist dann der Gipfel erreicht und bei gutem Wetter belohnt eine traumhafte Aussicht über die Allgäuer- und Lechtaler Bergwelt.

Ein fordernder Abstieg

Da wir nicht wieder direkt zur Landsberger Hütte absteigen, sondern weiter in Richtung Neunerköpfle wandern wollten, entschieden wir uns am Gipfel für den etwas schwierigeren Abstieg nach Osten, ins östliche Lachenjoch. Der Pfad ist im Gipfelbereich äußerst ausgesetzt und erfordert an einigen Stellen Klettergeschick (II. Grad), weiter unten wird es dann im Schutthang rutschiger und Trittsicherheit ist gefordert. Nach und nach flacht der Weg ab, quert in nordöstlicher Richtung ins Lachenjoch und auf die Schochenspitze (2068 m) zu. Geschafft! Ab jetzt ist Genußwandern angesagt.

Am Klettersteig auf die Nordwand der LachenspitzeAuf dem Saalfelder Weg wanderten wir durch grüne Hochflächen und rasteten an der idyllischen Gappenfeldalm, bevor wir die gleichnamige Scharte nach unten abstiegen und eineinhalb Stunden später wieder den Parkplatz am Vilsalpsees erreichten.

Fazit:

Der Klettersteig über die Lachenspitze-Nordwand gehört für mich zu den schönsten Touren hier in den Allgäuer Bergen. Der Zustieg vom Vilsalpsee hinauf zum Traualpsee, die urige Landsberger Hütte und die spannende Route auf der Nordwand sind nur einige Highlights dieser tagesfüllenden Klettersteig-Runde. Je höher man im Steig kommt, desto grandioser wird die Aussicht über die Seenlandschaft und das nahe Tannheimer Tal. Später, am Gipfel, komplettiert der faszinierende Fernblick nach Süden das grandiose Panorama. Technisch ist der Klettersteig nur zu Beginn und gegen Ende richtig fordernd (C/D), ansonsten eher im moderaten C-Bereich gut machbar für erfahrene Klettersteiger. Als Einsteigertour empfehle ich diese Tour aufgrund ihrer Länge allerdings nicht. Der lange Zustieg sowie die vielen Höhenmeter im Steig fordern nämlich ganz schön.

 

Eine genaue Routenbeschreibung und den GPX-track gibt es auf meiner interaktiven Klettersteig-Karte.

 

 

 

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Ein Gedanke zum Artikel “Eine Allgäuer Klettersteig-Perle: Die Lachenspitze-Nordwand (C/D)

  1. bergkraxler7 sagt:

    ein wunderschöner Bericht lg Bernd

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