Endlich wieder am Fels: Der Friedberger Klettersteig im Tannheimer Tal (C)

Patruckel am Friedberger KlettersteigEine gefühlte Ewigkeit ist es her, seit ich zum letzten Mal meine Klettersachen trug und am Fels hing. Doch es gibt eben auch noch ein Leben neben der Leidenschaft Klettersteigen. Am vergangenen Wochenende war es aber endlich wieder soweit. Die Wetterprognosen waren einigermaßen gut, ein altbekannter Kletterkollege schnell im Boot und ein Ziel rasch gefunden. Wie schon so oft ging es nach Nesselwängle ins Tannheimer Tal. Das Ziel dieses Mal: über die Judenscharte auf die Rote Flüh (2111 m), anschließend über den Friedberger Klettersteig und vom Schartschrofen (1968 m) wieder hinunter ins Tal. Laut Literatur eine knapp sechsstündige Bergtour mit leichter Kletterei im mittleren Schwierigkeitsgrad. Dass es am Ende doch wieder recht abenteuerlich und auch deutlich länger wurde, war ja fast klar. Grund: Traumhafte Ausblicke, Schnee an wichtigen Orientierungspunkten und ein plötzlicher Wetterumschwung. Also langweilig wird uns nie so richtig am Berg…

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Die Strecke von Kempten über Oy-Mittelberg hinauf ins Tannheimer Tal ist mir wohlbekannt. Mehrmals schon fuhren wir über diesen Weg in das schöne österreichische Hochtal. Mit unterschiedlichem Erfolg. Beim ersten Versuch auf die benachbarte Köllenspitze kam uns im Sommer nach einem heftigen Platzregen ein Felsbrocken in die Quere, der für eine aufgeplatzte Ölwanne, eine mehrere hundert Meter lange Ölspur und 1700 Euro Kosten sorgte. Glück im Unglück: Uns ist damals nichts geschehen. Am Freitagabend galt es erneut die schmalen Sträßchen nach Nesselwängle zu meistern und natürlich kam es, wie es kommen musste: Noch auf der A7 setzte ein Platzregen ein, der sich gewaschen hatte. Genug Wasser zumindest, um erneut fußballgroße Felsbrocken aus den steilen Hängen am Haldensee auf die Straße zu spülen. Um sicher zu gehen, fuhren wir diesmal äüßerst vorsichtig an der damaligen Unfallstelle vorbei. Im Schritttempo, mit Nebelleuchten und Fernlicht. Sicher ist sicher. Und siehe da: Wir kamen heil durch und erreichten einen gemütlichen Schlafplatz am Waldrand, nur knapp 300 Meter vom Zustiegsweg zum Gimpelhaus entfernt. Zwei, drei Bierchen, ein nettes Gespräch und ab ging es in die Federn, um am nächsten Morgen fit losziehen zu können.


Du und der Berg, sonst nichts

Patruckel am Friedberger KlettersteigAm frühen Samstag Morgen galt es dann die Schuhe zu schnüren, den Rucksack zu satteln und die ersten 600 Höhenmeter bis zum Gimpelhaus zu bewältigen. Konditionell waren wir zwar nicht gerade auf dem Höhepunkt, aber trotzdem gelang uns der für 1:15 Stunden ausgeschilderte Zustieg in knapp 40 Minuten. Dafür wurden wir vor Ort allerdings nicht mit einem kühlen Getränk belohnt, das Gimpehaus öffnet seine Pforten nämlich erst wieder ab dem 1. Mai. So verloren wir keine Zeit und machten uns sogleich auf den Weiterweg. Ein schöner, schmaler Pfad führt erst durch immergrüne Nadelbäume, dann öffnet sich der Blick auf die eindrucksvolle Felswand zwischen Gimpel (2173 m) und der Köllenspitze (2238 m). Wir bogen links ab und folgten dem Pfad weiter auf Schotter durch die Judenscharte und überwanden ein noch relativ tiefes Schneefeld auf den letzten steilen Metern bis hinauf zum Gipfel der Roten Flüh (2111 m). Das erste Etappenziel war erreicht. Hier genossen wir die erstklassige Aussicht, das wider Erwarten richtig gute Wetter und die Vorfreude auf eine schöne Gratwanderung hinüber zum benachbarten Schartschrofen (1968 m).


Klettern am Basteldraht

Nach einer ausgiebigen Pause machten wir uns auf die Socken. Das benachbarte Gipfelkreuz des Schartschrofen war nicht wirklich weit entfernt, deutlich konnten wir Menschen am Gipfel erkennen. Ein leicht verschneiter Abstieg über eine kurze ungesicherte Klammernpassage führte uns auf einen schönen Grat, der sich hinüber in Richtung eines markant aufragenden Felsturms schlängelt. Dabei ist der Weg an einigen Stellen mit einer äußerst dünnen und teils schlecht verankerten Drahtseilführung versichert. Allerdings sind diese Stellen ausschließlich im Gehgelände und die Versicherungen wohl eher als Geländer oder Orientierungshilfe gedacht. Anfangs hing ich noch mein Klettersteigset ein, stellte mir allerdings am zweiten aus dem Fels hängenden Stahlbolzen schon die Sinnfrage und gab auf. “Klettern am Basteldraht” wie mein Kollege richtig feststellte. Der Weg war leicht begehbar, bis auf eine Stelle, an der besagter Basteldraht noch unter einer Schneedecke begraben lag, aber auch dort kamen wir schnell weiter. Nicht viel später kraxelten wir durch die Gelbe Scharte und erreichten unser eigentliches Ziel: den Friedberger Klettersteig.

Patruckel am Friedberger Klettersteig

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Das ging aber fix

Kaum begonnen, war er gefühlt aber auch schon wieder vorbei. Wirklich lange hat es nicht gedauert von der Tafel am Einstieg bis hinauf zum Ende am Gipfelkreuz des Schartschrofen. Der Steig führt relativ zielstrebig über den Grat hinauf bis zum Gipfel und ist nicht mit Trittstiften oder ähnlichen Hilfen ausgestattet. Nur am Drahtseil gesichert heißt das purer Kletterspaß am Fels. Die Griffe sind sehr leicht und die Route in traumhafter Umgebung einfach wunderschön. Sie führt eine Rampe hinauf an einen kleinen Überhang und zuletzt durch eine Rinne auf den Gipfel. Viel zu schnell ist die Kletterei aber auch schon wieder vorbeich und ehe man sich versieht, steht man oben und blickt hinüber zur Roten Flüh und dem flankierenden Gimpel. Wenn dann noch die Sonne rauskommt weiß man, warum dies wieder einer der vielen unvergesslichen Tage in den Bergen werden wird.

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Abstieg ins Nichts

Nachdem wir einer Gruppe Pfadfinder in die Gurte halfen und uns mit deren Royal Ranger über Touren ausgetauscht hatten, galt es so langsam an den Abstieg zu denken. Langsam ist gut, denn schon nach wenigen Metern verloren wir in einem Schneefeld bereits den Weg. Alle Pfade endeten im weißen Nichts und wiesen nicht im Ansatz Spuren einer gerade vorbeigetrampelten Pfadfindertruppe auf. Also bahnten wir uns einen Weg offroad und stießen erst weiter unten wieder auf den Weg, der dort abrupt wieder aus dem Schnee hervorlugte. Leider verpassten wir dadurch den Abstiegsweg, den wir eigentlich nehmen wollten und folgten stattdessen dem Gratweg weiter nach Westen in Richtung eines dritten Gipfels: die Läuferspitze (1956 m). Spätestens kurz unterhalb des Gipfelaufbaus war dann klar, dass wir wohl den falschen, also längeren Weg eingenommen hatten. Nun hieß es eben außen herum und hinein ins Füssener Jöchle zur Bergstation der Gondelbahn zu marschieren. Auf dem Weg dorthin galt es allerdings och eine kleine Kür zu meistern: Den schönen Anstieg samt ausgesetzter Freikletterstelle und den kurzen, aber steilen Gipfelaufstieg der Läuferspitze an einer Stahlkette.

Patruckel am Friedberger Klettersteig

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Donnergrollen und Hagel im Skigebiet

Als ich den Gipfel erreichte hörte ich fast zeitgleich ein erstes Donnergrollen am Horizont. Es wurde langsam Zeit nun wirklich abzusteigen. Auf der Rückseite führt eine kurze versicherte Passage hinab in Richtung Gipfelstation, doch nix da, der Weg war verschneit und nicht zu erkennen. Stattdessen ging es auf allen Seiten relativ unangenehm in die Tiefe, weshalb wir noch eine Extrarunde drehten und eine weitere Bergflanke über die Nordseite umrundeten. Last but not least erreichten wir die verlassenen Liftanlagen und bemerkten, dass diese erst am Vortag den Winterbetrieb eingestellt hatten. Der braungraugrüne Abfahrtshang ließ aber darauf hindeuten, dass hier wohl schon länger Schluss ist. Mit mittlerweile doch recht müden Knochen machten wir uns an den Abstieg auf der Skipiste und wurden natürlich doch noch von einem kräftigen Hagelschauer erwischt, der anschließend in einen halbstündigen Dauerregen überging. Nass, erschöpft und glücklich gings gen Tal und spätestens als am Ufer des Haldensees wieder die Sonne schien und uns einen doppelten Regenbogen schenkte, war die Welt schon wieder in Ordnung. Dank des unfreiwilligen Umwegs wurden aus geplanten sechs Stunden am Ende doch satte neun. Die Füße glühten, die Knochen schmerzten, doch es war jede Minute wert. Eine tolle Tour ging zu Ende und das Schuhe ausziehen wurde königlich genossen.

Fazit:

Der Friedberger Klettersteig ist ein kurzer, dafür sehr schöner Alpinklettersteig im Tannheimer Tal. Die Route führt wahlweise vom Schartschrofen im Abstieg hinunter auf den Grat hinüber zur Roten Flüh und über die Judenscharte hinunter zum Gimpelhaus oder andersherum. Die schwierigste Stelle ist ein kurzer Überhang unterhalb des Einstiegs am Schartschrofen, der gefährlicher klingt als er ist. Der gesamte Steig ist nur per Stahlseil versichert und nicht mit Tritthilfen und Klammern verschandelt. Das erlaubt durchgängig direkten Felskontakt und bietet Kletterspaß für Jung und Alt. Allerdings sind die Seillängen zwischen den Halterungen relativ lang, weshalb sie oft vibrieren und leicht auspendeln können. Daher sollte auch auf den augescheinlich leichteren Abschnitten nur eine Person je Abschnitt klettern. Die Route an sich ist nicht sehr lang und wird erst durch die Verbindung mit einer aussichtsreichen Gratüberquerung zum Füssener Jöchle zu der Traumtour, die sie ist. Bergfreunde werden hier ins Schwärmen kommen, für reine Eisenbeißer ist der allerdings deutlich zu kurz.

Eine ausführliche Wegbeschreibung mit gpx-Track zum runterladen gibt es für Euch wie immer auch auf meiner Klettersteig-Karte.

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9 Gedanken zum Artikel “Endlich wieder am Fels: Der Friedberger Klettersteig im Tannheimer Tal (C)

  1. hi tanya1st time here! this so graciously stated. thank you-it’s so important to hear. i’d like to add that the converse is also true. i often come across comments/judgements in the on-line world from people that have achieved a higher level of success; such as “if i can do it then you SHOULD be able to do it”, “are you just a wannabe?” that lincoln quote above sums it up perfectly. as do you, “No. You don’t know. No one really does.”cheers from shana

  2. Debbie Hi William, do you mean on photographs on another page, or yours? If someone else’s page, then they have probably set their permissions so that no-one can comment (can’t quite see the point though) especially if they’re trying to attract controversy!

  3. Acredito que ele não tenha criado o Login (Administrador ) , Neste caso é necessário verificar no PHP MY Admin se o administrador existe , se não , é necessário criar um outro banco de dados e refazer a instalação ;Abraços

  4. Ohh my god!! I just commented on your naan pizza asking how you came up with such innovative ideas….and see here..I don't even know what to say!! Superb idea…btw….do you love oats or what???

  5. http://www./ sagt:

    bueno me gusto mucho la informacionhablo por experiencia ya q y estuve en la otra campaña cuando paso por aguas calientes guerrero cerca de la parotay la gente de este lugar le pedia a gritoa al sub comandante marcos la venida de la nueva revolucion del 2010 con esto se pueden dar cuenta de que esta gente esta dispuesta ha dar la vida por hacer valer sus derechos

  6. Graag zou ik zien dat de mensen die echt hulp nodig hebben dat krijgen.Maar soms hoor ik dat ze alles willen, bv. scootmobiel, taxipas ( terwijl ze een auto hebben en de partner kan rijden) en dan ook nog een PGB.Dit zal voor sommige mensen nodig zijn maar voor andere niet. En die mensen verpesten het voor degene die het heel hard nidig hebben.

  7. Me apunto! me encantaria probar el desodorante, tengo curiosidad por ver que efectividad tiene, sobretodo por lo de contener alumbre. Me gustaria comprobar que tal va.un saludo! lalocademildred[arroba]gmail.com

  8. Connie sagt:

    Great ariletc, thank you again for writing.

  9. […] zugegebenermaßen äußerst unschönen – Salewa-Klettersteig machen oder Köllenspitze, die Rote Flüh über den Friedberger Steig sowie die Lachenspitze besteigen. Man kann aber auch nach Rietzlern ins Kleinwalsertal fahren und […]

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