Der Leite-Klettersteig in Nassereith (C/D)

Leite Klettersteig, NassereithNachdem ich bereits eine Woche zuvor ins Ötztal aufbrach, um den schönen Klettersteig am Lehner Wasserfall zu gehen, zog es mich schon wieder nach Tirol. Diesmal für einen knackigen Klettersteig-Trip mit den Jungs. Unser frühmorgentliches Aufwärm-Programm absolvierten wir am Leite-Steig im Sportkletter-Eldorado Nassereith.  Wie war´s? Nun ja, ganz nett für den Anfang.

Früh um sechs Uhr klingelte bereits der Wecker. Schnell wurden noch die letzten Sachen ins Auto geworfen und schon ging es in einem Höllentempo von Kempten über die A7 in Richtung Fernpass. Unser Ziel: Das Ötztal mit seinen hochgelobten Klettersteigen Reinhard-Schiestl und dem Eisenweg am Stuibenfall. Danach sollte noch eine lange Autofahrt nach Arco folgen, weshalb wir uns dazu entschlossen so zeitig aufzubrechen. Um die müden Knochen in Schwung zu bekommen machten wir einen kurzen Stop in Nassereith. Seit wenigen Jahren gibt es dort neben den zahlreichen Sportkletterrouten auch einen anständigen Klettersteig, der das Kletterangebot an den steilen Kalkfelsen abrundet.

Kraftvoll zupacken und nicht abrutschen

Glatte Platten am Leite-KlettersteigUm 8:30 Uhr erreichten wir den noch leeren Kletterparkplatz, von dem aus wir uns direkt auf zum Einstieg machten. Wir folgten der Beschilderung und freuten uns darüber, die Ersten am Einstieg zu sein. Gut gelaunt klickten wir uns nacheinander ins Stahlseil und machten uns daran, die glatten Kalkwände zu erklimmen. Was von unten wie eine relativ leichte Tour aussah, entpuppte sich bereits nach wenigen Metern als eine ordentliche Herausforderung am frühen Morgen.

Ohne Tritthilfen wie Stiegen oder Klemmen führt die Route leicht nach rechts geneigt aufwärts und gewinnt schnell an Höhe. Ungewohnt war für uns, dass das dicke und sehr robuste Seil eher “französisch” – also oftmals durchhängend und nicht straff – gespannt entlang der Route verlief. In Kombination mit den nicht vorhandenen künstlichen Tritten, dem glatten Fels und für einen Klettersteig relativ wenigen Griffen, kamen wir dann doch relativ schnell ins schwitzen. Trotzdem erreichten wir völlig problemlos nach einer knappen halben Stunde das Jausenbänckchen, von wo wie erst einmal die Aussicht über das gerade erwachende Tal genossen.

Aussicht vom Jausenbänkle am Leite Steig, NassereithKletterer, wenn du wüsstest…

Eine kurze und leichte Traverse führt anschließend zum kleinen Highlight der Tour, einer kurzen Einseil-Brücke. Ein Schild im Bereich der Querung machte uns darauf aufmerksam, dass wir bitte möglichst keine Steine lostreten sollten, da sich unter uns mehrere Sportkletterrouten befinden würden. Seltsam eigentlich, dachten wir uns. Da lässt es sich bestimmt gut klettern, wenn man weiß, jederzeit von einem unachtsamen Klettersteig-Geher erschlagen werden zu können. Ob unten wohl auch ein Schild angebracht wurde? “Lieber Kletterer, über Dir befindet sich reger Betrieb auf einem Klettersteig und der Fels ist brüchig. Nicht wundern, wenn´s rumpelt.”

Einseilbrücke am Leite-Steig in NassereithDie anschließende Seilbrücke allerdings war ein kurzweiliger Drahtseilakt, der uns das Grübeln vergessen ließ. Ein paar kurze Kletterzüge weiter war dann auch schon der höchste Punkt der 500 Klettermeter langen Tour erreicht. Über flache Bänder führte der Steig hier wieder leicht abwärts bis zum Ende, am oberen Rand des Schuttkegels. Ein kleiner Abstiegsspurt, eine kleine Abkürzung am Rückweg und nach exakt einer Stunde und 15 Minuten waren wir wieder zurück am Auto.

Fazit:

Kurzweiliger Klettersteig im oberen Schwierigkeitsbereich, der einem technisch und kräftemäßig einiges abverlangen kann. Die Platten sind glatt, einige Passagen steiler als sie auf den ersten Blick aussehen. Kleine Leute können hier augrund der wenigen natürlichen Griffe und Tritte Probleme bekommen und sollten in solchen Fällen am Notabstieg abklettern. Der Steig ist schön keine Frage. Sicher ist er allemal.

Durchgängig verläuft das dicke Stahlseil vom Einstieg bis hinauf zum Jausenbänkle. Ganz persönlich fehlte mir allerdings das gewisse Etwas. Es gibt keine überhängenden oder exponierten Stellen und die Routenführung ist fast ein wenig eintönig. Ein bisschen beschlich mich das Gefühl, dass in Nassereith auf Biegen und Brechen ein Klettersteig gebaut wurde. Der kurze Zustieg, die Nähe zur Fernpassstraße und die sonnenseitige Ausrichtung werden aber sicherlich dafür sorgen, dass diesem Steig reger Andrang wiederfährt.

Eine detaillierte Tourenbeschreibung und gpx-Tracks zum Download gibt es auch hier.

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Ein Gedanke zum Artikel “Der Leite-Klettersteig in Nassereith (C/D)

  1. […] “französische Seilführung” habe ich bislang nur einmal an einem kurzen Teilstück des Leite-Steigs erlebt, aber eigentlich ist das auch nicht vergleichbar. Es gab aber noch mehr Unterschiede: […]

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