Gar nicht mal so ohne: Der Köllenspitze-Klettersteig (D)

Köllenspitze (25)Aller guten Dinge sind zwei. Zwei Freunde, zwei Autos und zwei Versuche. Klingt komisch, ist aber so. Vor einigen Wochen starteten wir unseren ersten Versuch an der Köllenspitze, der jedoch kläglich scheiterte. Nicht etwa, weil wir am Steig verzweifelten, so weit kamen wir nämlich gar nicht. Am Hallersee, weniger als zwei Fahrminuten vom Ziel entfernt, machte uns ein etwa handballgroßer Felsbrocken einen Strich durch die Rechnung. Eine geplatzte Ölwanne, eine 600 m lange Ölspur und ein nächtlicher Polizei- und Feuerwehreinsatz beendeten unser Vorhaben. Vorerst.

Neben der Ölwanne hinterließ der Fels auch ein nicht unbeträchtliches Loch in unseren Geldbeuteln, doch auch das sollte uns nicht davon abhalten, die Köllenspitze zu erklimmen. Jetzt erst recht, dachten wir uns und starteten am vergangenen Wochenende Versuch Numero zwei. Mit einer befreundeten Bloggerin im Gepäck, die für ihre Klettertour am Gimpel zufällig den selben Aufstieg hatte, ging es wieder ins schöne Tirol. Und diesmal kamen wir sogar heil an. Am Parkplatz in Nesselwängle packten wir unsere sieben Sachen und machten uns sogleich an den Aufstieg übers Gimpelhaus zum Wandfuß der Köllenspitze (2238 m). Nach zweieinhalb Stunden Marsch hatten wir den Zustieg gemeistert und standen endlich am Einstieg des erst 2011 eröffneten Klettersteigs, wo wir sogleich voller Vorfreude unsere Gurte anlegten.

Kölle Alaaf
Direkt am Einstieg erfuhren wir, mit was für einer Hausnummer wir es hier zu tun hatten. Ohne großes Vorgeplänkel führt das dicke und sehr robust wirkende Stahlseil mehr oder weniger senkrecht nach oben. Schnell kamen wir ins schwitzen. Die Züge sind anspruchsvoll und kraftraubend, nur vereinzelt findet man zusätzlichen Halt auf den wenigen eingebohrten Trittbügeln. Doch genau so lieben wir es. Steil, exponiert und bis auf das Führungsseil fast nur natürliche Griffe und Tritte im Muschelkalk.

Da wir wieder einmal recht früh unterwegs waren, hatten wir den Steig zumindest gefühlt für uns alleine. Zwar war noch das ein oder andere Duo unterwegs, doch schnell verlor man sich aus den Augen und konnte die Ruhe am Berg und das prächtige Panorama genießen. Sowieso hatten wir es heute nicht eilig. Da wir noch ein neues Klettersteig-Gimmick, das Belay Kit II von Edelrid im Gepäck hatten, wollten wir die Chance nutzen, dieses Sicherungsgerät ausgiebig zu testen. So verbrachten wir also eine ganze Weile in der Wand, ließen fünfe gerade sein, plauderten über dies und das und genossen das Hier und Jetzt.

Am frühen Nachmittag wurde es aber so langsam Zeit, dass auch wir uns aus der Wand machten und in Richtung Gipfel aufbrachen. Zwar mussten wir nur noch gut ein Drittel des Steigs bewältigen, doch hatte es dieses erneut ganz schön in sich. Wir passierten die Abzweigung zum Rastplatz und erreichten das wohl schwierigste Teilstück der Route. Gut 80 Höhenmeter galt es in wirklich steilem, teilweise (leicht) überhängendem Gelände zu klettern, dass einem die Arme schwer wurden.

Wehe dem, der seinen Rucksack nicht gut gepackt hat. Nach knapp 400 Kletterhöhenmetern macht sich jedes unnötige Gramm auf dem Buckel bemerkbar. Doch so abrupt der Steig auch beginnt, so endet er auch. Nach einem letzten knackigen Aufschwung standen wir am Grat, nur wenige Meter vom hölzernen Gipfelkreuz auf 2238 m Höhe. Zum ersten Mal konnten wir nun auch einen Blick nach Norden in die Ostallgäuer Seenlandschaft und zum Schloss Neuschwanstein werfen. Eine tolle Krönung eines fantastischen Aufstiegs.


Helm auf beim Abstieg
Klettersteig KöllenspitzeUms kurz zu machen: Der Abstieg ist heftig. Durch eine schmale Scharte führt ein kaum erkennbarer Felsenweg steil und abschüssig gen Tal. Das viele lose Gestein erfordert Trittsicherheit und immer wieder löst man unfreiwillig kleine Steinlawinen aus. Schon nach wenigen Metern entschlossen wir auf Nummer sicher zu gehen und unsere Helme wieder aufzusetzen.

Nach einiger doch recht kurzweiligen Turnerei über den Fels erklommen wir einen kurzen Gegenhang, hinter dem das Gelände in Richtung Gimpel (2173 m) abflacht. Durch einige Geröllfelder stiegen wir schnell hinunter zum Gimpelhaus, gönnten uns zwei wohlverdiente Radler und machten uns an den Abstieg nach Nesselwängle. Denn wer hoch will, muss auch wieder runter. Wie gesagt, aller guten Dinge sind zwei.


Fazit:

Klettersteig KöllenspitzeDer neue und gut versicherte Klettersteig auf die Köllenspitze ist ein absolutes Highlight im Allgäu. Und das aus mehreren Gründen: Der lange Zustieg sorgt dafür, dass sich keine allzu langen Staus im Steig bilden, der knackige Wegverlauf ist durchwegs fordernd und bisweilen sogar richtig anstrengend. Ich bin definitiv schon einige D-Steige geklettert, die mir deutlich leichter fielen. Aufgrund der Länge der Tour – mit Zustieg und anschließendem Abstieg kann man gut und gerne 7 bis 8 h einplanen – würde ich hier sogar die Schwierigkeit D/E ansetzen.

Schwächere Geher sollten den Klettersteig auf keinen Fall ohne erfahrene Begleitung angehen und unbedingt eine zusätzliche Rastschlinge (Vesperbändle) am Gurt befestigen. Denn gerade die anspruchsvollen und kräftezehrenden Steilpassagen sind relativ lang und bieten dabei nahezu keine Rastmöglichkeiten. Krafteinteilung ist allerdings wichtig, schließlich gilt es auch noch einen alpinen Abstieg mit Freikletterpassagen im zweiten Grad zu bewältigen. Das traumhafte Bergpanorama mit den Nachbargipfeln Rote Flüh (2111 m), Gimpel und Gehrenspitze (2163 m) sowie der Blick hinunter zu den Königsschlössern bei Füssen machen die Tour zu einem echten Schmuckstück.

Eine ausführliche Tourenbeschreibung mit gpx-track zum kostenlosen Download gibt es auf meiner interaktiven Klettersteig-Karte.

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Ein Gedanke zum Artikel “Gar nicht mal so ohne: Der Köllenspitze-Klettersteig (D)

  1. Wolle sagt:

    Die Beschreibung der Köllenspitze trifft es auf den Punkt. Sehr schwer und lang aber super angelegt und aufgrund der Schwierigkeit nicht zu voll. Kraft einteilen und keinesfalls bei unsicheren Wetterbedingungen einsteigen. Absolut nichts für Anfänger.

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