Der Allmenalp Klettersteig in Kandersteg Einer der spektakulärsten Klettersteige der Schweiz

Kandersteg Allmenalp KlettersteigWer sich über Klettersteige in der Schweiz informiert, stolpert immer wieder über die Namen Kandersteg und Allmenalp. Und das zurecht. Denn was der Tourismusverband Kandersteg hier 2005 in die Felsen der Underen Allme (1723 m) gebaut haben ist eindrucksvoll, gewaltig und spektakulär. Zurecht zählt der Kandersteg Allmenalp-Klettersteig zu den wohl bemerkenswertesten Steigen der Schweiz. Hier mussten wir unbedingt rauf.

An einem schwül warmen Augusttag schlängelten wir uns von Spiez am Thunersee die Passstraße nach Kandersteg hinauf. Ich wurde richtig nervös, je näher wir kamen. Irgendwie war die Allmenalp-Ferrata für mich damals wie ein Promi unter den Klettersteigen. Ich kam mir vor, wie ein Reporter der Schülerzeitung, der kurz vor seinem ersten Interview mit einem Weltstar steht. Naja, so in etwa jedenfalls. Zumindest hatte ich so viel von dem Steig gesehen, gehört und gelesen, dass ich dachte schon im Vorfeld ein gutes Bild im Kopf zu haben. Pustekuchen.

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Blick auf die Wand der Undere Allme (1723 m) mit dem Allmenalp-Klettersteig in Kandersteg.

Wir parkten am Parkplatz der Luftseilbahn Kandersteg Allmenalp und folgten dem Allmibach bis zum Wandfuß. Links der Route stürzt der Bach mit großem Getöse einen von insgesamt 4 mächtigen Wasserfälle hinab. Immer wieder spritzte die Gischt hinüber auf die Eisenklammern und Bolzen in der mächtig steilen Einstiegswand. Das könnte rutschig werden, dachte ich damals. Wurde es auch. Ziemlich sogar.

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

350 steile Höhenmeter am Klettersteig geht es hier hinauf

Eine Einstiegswand mit Vorgeschmack

Wir legten unser Klettergeschirr an, sicherten uns und machten uns auf den Weg. Die Sonne brannte, Sonnencreme und Schweiß liefen schon nach wenigen Metern in Strömen. Gleich nach den ersten Leitern folgt eine erste große Hürde: eine fast senkrechte und sehr glatte Plattenpassage wird schräg nach links oben gequert, ehe eine lange und in der Mitte leicht überhängende Leiter in den nächsten Abschnitt überführt.

Schon nach wenigen Minuten hat man viel Luft unter dem Hintern, das Gefühl von Ausgesetztheit und Höhe setzt schon sehr früh ein. Erschwerend kam für uns hinzu, dass die Bolzen einerseits von der Gischt naß, gleichzeitig von Sonnencreme-Händen ölig und somit unangenehm rutschig waren.

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Wir brutzeln in der heißen Einstiegswand

Sehr behutsam und extrem aufmerksam arbeiteten wir uns in die Höhe, erklommen noch einige kurze Querungen und Aufschwünge, dann hatten wir die 100 Meter hohe Einstiegswand geschafft. Wir überquerten noch den Allmibach auf einer Dreiseilbrücke, dann wanderten wir hinüber zum großen Überhang, unter dem schon aus der Ferne die bekannte Drehleiter zu sehen war.

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Die erste Dreiseilbrücke am Allmenalp-Klettersteig

Überhänge und mächtig steile Grate

Als wir auf den Bänken unterhalb des großen Überhangs saßen und gerade das Wandbuch signierten, hörten wir in der Ferne plötzlich Donnergrollen. Wir starrten uns gegenseitig verdutzt an, denn Gewitter waren eigentlich erst für den späten Abend angekündigt. Bei einem Gewitter ist ein Klettersteig ungefähr der letzte Ort, an dem man sein möchte. Und da der Allmenalp-Klettersteig keinen Notabstieg hat, standen uns plötzlich nur 2 Optionen zur Verfügung.

  1. die steile Einsteigswand wieder abklettern 🙁
  2. schnell weiter nach oben und den Ausstieg möglichst schnell erreichen 🙂

Wir wollten auf keinen Fall zurück, und so machten wir uns auf die Socken, erklommen die bekannte Drehleiter (komisches Gefühl) und kämpften uns die anschließende steile und glatte Plattenpassage hinauf. Auch diese hatte es in sich. So waren wir froh, als wir wenig später auf einem kurzen flachen Wegstück etwas verschnaufen konnten.

Steile Wände und tiefe Schluchten

Anschließend quert die Route eine steile Felsflanke, ehe sie nach oben abknickt und genau auf den Grat der selben Flanke hinauf führt. Rechts unterhalb schießt der Allmibach mit großem Getöse das fast vertikale Bachbett hinunter, während wir uns am Grat steil nach oben arbeiteten. Toll zu klettern in spektakulärer Landschaft. Was will man mehr?

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Steil den Grat hinauf

Am Ende der steilen Gratpassage erreichten wir ein schmales Plateau, querten ein stark ausgesetztes Wandstück und stiegen hinauf zur zweiten Dreiseilleiter des Klettersteigs. Diese hängt in schwindelerregender Höhe über der Schlucht und schwankt wie ein Schiff auf hoher See.

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Die zweite Dreiseilbrücke schwankt wie ein Schiff auf hoher See

Nach der Brücke wartete dann mit der steilen Ausstiegswand die letzte Herausforderung auf uns. Auf vielen schmalen Eisenbolzen arbeiteten wir uns nach oben und erhaschten hier und da grandiose Tiefblicke ins Tal. Weit unter uns sahen wir nachkommende Kletterer, die sich gerade am Beginn des steilen Grats befanden. Ob ihnen der Ausstieg noch vor dem Gewittereinbruch gelingen würde?

Kandersteg Allmenalp Klettersteig

Tiefblicke und oben das Ziel vor Augen

Wenige Höhenmeter später hatten wir es dann geschafft. 3,5 Stunden nach dem Einstieg im Tal hatten wir den Ausstieg erreicht. Schweißgebadet aber glücklich wanderten wir noch das letzte Stück hinauf zur eigentlichen Allmenalp. Dort genossen wir die Aussicht, ehe wir mit der luftigen Seilbahn wieder ins Tal fuhren. Das Gewitter kam übrigens nie…

Hier gibt es

alle Bilder der Tour

Fazit:

Der spektakuläre Klettersteig Kandersteg-Allmenalp führt über 350 Höhenmeter hinauf auf die Undere Allme (1723 m) in den Berner Alpen. Die Route entlang tiefer Schluchten und steiler Pfeiler ist sehr anspruchsvoll und erfordert Kraft und Mut. Mehrere Dreiseilbrücken, steile Eisenleitern sowie ausgesetzte Querungen über glatte Platten gilt es auf dem Weg nach oben zu überwinden. Gut, dass es immer wieder Stellen gibt, an denen man Pausen einlegen kann. Da es auf dem Klettersteig aber keinen Notabstieg gibt, sollten ihn wirklich nur versierte Kletterer in Angriff nehmen. Einsteigern oder Familien mit Kindern rate ich vom Besuch des Steiges dringend ab und empfehle, mit der Luftseilbahn nach oben zu fahren und die grandiose Aussicht an der Allmenalp zu genießen.

Die Tour mit genauer Wegbeschreibung und dem gpx-Track zum kostenlosen Download gibt es auf meiner Klettersteig-Karte:

Wer noch nicht genug bekommen hat, kann sich hier eindrucksvolle Bewegtbilder des Allmenalp-Klettersteigs anschauen:

Klettersteig Kandersteg from Blue Yeti Studios on Vimeo.

 

2 Gedanken zum Artikel “Der Allmenalp Klettersteig in Kandersteg Einer der spektakulärsten Klettersteige der Schweiz

  1. Manfred sagt:

    also der Steig hat es wirklich spektakulär – keine Frage !
    Super Aufnahmen ! ich habe es selbst schon öfters erlebt das fotografieren oder filmen in diesem Gelände sehr viel abverlangen von dem der es “Tut” ! Konzentration auf die Bilder und gleichzeitig ein falscher Tritt und ………

    • patruckel sagt:

      Das stimmt. Ich tue mir auch immer wieder schwer zu fotografieren. Mittlerweile knipse ich nur noch per smartphone, aber auch da habe ich immer Bammel, dass es mir runterfällt… 🙂

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