Kanzelwand extrem: der Zweiländer-Sportklettersteig im Hagelsturm (D)

Kanzelwand KlettersteigDie Kanzelwand (2058 m) in den Allgäuer Alpen ist bei Skifahrern wohlbekannt. Doch auch im Sommer bietet der Grenzberg zwischen Bayern und dem österreichischen Vorarlberg einige Leckerbissen für Outdoor-Sportler. Allem voran für uns Klettersteiger. Denn entlang der steil abfallenden Nordwand führt seit 2008 der teilweise stark ausgesetzte Zweiländer-Sportklettersteig hinauf zum Gipfel. Mehrere Jahre schon stand dieses Halbtages-Abenteuer auf meiner Wunschliste, doch zu einem ersten Besuch am Drahtseil kam es erst vor einigen Wochen. Dafür dann aber richtig. Mit einigen Freunden machte ich mich bei schönstem Sonnenschein auf, um die Kanzelwand über den Zweiländer-Steig zu erklimmen. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand erzählt, dass ich wenige Stunden später bei Donner und Hagelsturm noch immer in der Felswand hängen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Leider war es aber genau so…

Wenn man Freunden das Klettersteigen nahe bringen möchte, hat man im Allgäu einige Optionen. Man kann über die Grattürme am Hindelanger Klettersteig kraxeln, eine Hüttentour über den Mindelheimer Steig unternehmen, den – zugegebenermaßen äußerst unschönen – Salewa-Klettersteig machen oder Köllenspitze, die Rote Flüh über den Friedberger Steig sowie die Lachenspitze besteigen. Man kann aber auch nach Rietzlern ins Kleinwalsertal fahren und über den Zweiländer-Sportklettersteig auf die Kanzelwand klettern. Und gerade weil meine Kameraden sportlich, fit und ausdauernd sind, hatte ich keine Kopfschmerzen bei dem Gedanken, ihre Klettersteig-Feuertaufe auf einem D-Steig abzuhalten. Also verließen wir Kempten zu früher Stunde bei strahlendem Sonnenschein und steuerten unser Ziel in Vorarlberg an. Ab Nachmittag war mit geringer Wahrscheinlichkeit leichter Regen angesagt, also starteten wir zeitig, um trocken unser Ziel erreichen zu können. Soviel zum Plan. Es kam dann wie immer etwas anders.

Klettersteig-Karabiner

 

Ein Zustieg wie aus dem Bilderbuch

Nach einer kurzweiligen Fahrt mit der ersten Gondel zur Kanzelwand-Bergstation galt es erst einmal das schlagartig einsetzende Hochalpin-Gefühl zu genießen. Der Wind bließ kräftig, die Sonne brannte auf uns herab und die Fernsicht war eindrucksvoll. Eigentlich ein perfekter Bergtag. Das dachten sich auch zahlreiche andere Wanderer und Kletterer, weshalb die Bergbahn im Sekundentakt nach Sonnencreme riechende Wanderer ausspuckte. Wir mussten schnell los, um in Ruhe einen wundervollen Bergtag genießen zu können. Daher machten wir uns an den Abstieg hinunter zum Gundsattel, von wo aus ein schmaler Pfad nach rechts abzweigt und die großen Touristenautobahn der Höhenwege verlässt. Einzig eine Gruppe, die sich samt Kind und Kegel auf den Weg über die Fiderepass-Hütte zum Mindelheimer Klettersteig begab, teilte den Weg einige Zeit mit uns. Dieser führte herrlich durch Schrofen und ein buntes Blumenmeer hinüber zu den Nordabbrüchen der Kanzelwand, wo ein Schild den Abzweig zum Klettersteig markierte. Nun galt es noch einige kleinere Schotterfelder zu queren und anschließend einen kurzen, dafür sehr schweißtreibenden Anstieg im Geröll zu meistern, bis wir den Einstieg erreicht hatten. Verschnaufpause.

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Ein luftiger Spaß auf der Dauer-Traverse

Die ersten Meter ging es sogleich auf schönem Fels mit guten Tritten anständig aufwärts. Es folgten einige kurze Querpassagen und steile Aufschwünge, bis wir eine erste, recht ausgesetzte und kurz auch überhängende Traverse zu queren hatten. Der ein oder andere Neuling wurde da kurz etwas stiller, doch schon wenig später konnten wir in flacherem Gelände verschnaufen. Der Steig folgt dem Verlauf der Felswand in Richtung Gipfel.Lange Querungen, eine kurze Zweiseilbrücke und reges Auf und Ab kennzeichnen den Zweiländer-Sportklettersteig. Genauso wie das Allgäuer Wetter im Jahr 2014. Denn nach einer gemütlichen Rast mit bestem Blick aufs Fellhorn fielen – früher als erwartet – die ersten Tropfen. Der Fels wurde schnell nass und um meine Kameraden bei ihrem ersten Klettersteig nicht gleich zu verschrecken, baute ich an einer senkrechten Plattenwand zur Sicherheit mein geschätztes Belay-Kit ein. Noch während ich das Seil herabließ, um die Jungs zu sichern, hörte ich ein erstes Donnergrollen entfernt in meinem Rücken.

Kanzelwand Klettersteig

 

Donnergrollen und Hagel

Einer nach dem anderen kämpfte sich die mittlerweile richtig glitschige Wand hinauf, als der Regen plötzlich in Hagel überging. Die Kameras waren zu diesem Zeitpunkt längst verpackt, doch ich erinnere mich noch freudig an die Gesichtsausdrücke meiner Kollegen, als ihnen der Hagel in angestrengt verzerrte Gesichter prasselte. Kannte ich bislang nur aus dem Film. Da das Gewitter zwar nicht näher zu kommen schien, sich das Donnern aber häufte, schauten wir, dass wir weiterkamen und tauchten kurz darauf in ein graues Wolkenmeer ein. Die Nässe machte die Kletterei nicht unbedingt angenehmer und so waren wir froh als wenig später das Gipfelkreuz wie aus dem Nichts vor uns auftauchte. Pünktlich hörte auch der Regen auf und die Wolken lichteten sich, sodass wir ein paar schöne Gipfelmomente genießen konnten. Der kurze Abstieg zurück zur Bergstation kam uns ganz recht und so stiegen wir nass, aber über alle Ohren strahlend ab.

 Kanzelwand

 

Fazit

Der Zweiländer-Steig auf die Kanzelwand ist ein fordernder Sportklettersteig in steilem Gelände und für alle Fans von anspruchsvoller Kletterei ein Muss im Allgäu. Lange und oft exponierte Querungen werden an einigen Stellen von kurzen, dafür stets steilen Aufschwüngen abgelöst, wobei es an vielen Stellen auch Platz zum Luft holen gibt. Die tolle Aussicht ins Kleinwalsertal und nach Nordosten auf die Allgäuer Bergwelt begleiten den Kletterer auf den gesamten 500 Klettermetern in Richtung Gipfel. Der Steig ist über die Kanzelwandbahn in kurzer Zeit erreichbar und auch der Abstieg ist eher als kurzer Rückweg zu bezeichnen. Im Hochsommer kann es gerne auch zu kleineren Staus kommen, daher sollte man die sonnigsten Wochenenden eventuell meiden. Die Umhängepunkte sind auf der gesamten Route fair gesetzt, doch für kleinere Personen und Kinder sind manche Tritthilfen schwer zu erreichen. Der Klettersteig eignet sich ausgezeichnet als Höhepunkt einer kurzweiligen Halbtagestour für ambitionierte Bergfans.

Eine genaue Routenbeschreibung und den GPX-track gibt es auf meiner Klettersteig-Karte:

part of outdooractive

 

Zur Galerie: Alle Fotos der Tour am Zweiländer-Sportklettersteig

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zum Artikel “Kanzelwand extrem: der Zweiländer-Sportklettersteig im Hagelsturm (D)

  1. […] schon eher der lange Hindelanger Steig am Nebelhorn, der Mindelheimer oder vielleicht noch der Sportklettersteig auf die Kanzelwand, die einem ins Auge stechen. Der Klettersteig auf die Lachenspitze hingegen landet nur auf wenigen […]

  2. ulligunde sagt:

    Junge, Junge! Bei Gewitter am Drahtseil hängen, das wär nix für mich 😉 Aber so bleibt die Tour sicher länger in Erinnerung… 😉

    Grüße!

    Erika

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