Klettern in den Schluchten des Bregenzerwalds: die Via Örfla (D)

Via Örfla - Patruckel.comEin milder Winter und in tieferen Lagen schon seit längerem kein Schnee mehr. Klar, dass wir Klettersteiger da unseren Winterschlaf früher beenden und uns nach der nächsten Via ferrata umsehen. Die ersten Klettersteige des Jahres bezwangen wir diesmal in der Nähe von Dornbirn im Bregenzerwald. Denn dort gibt es für Gelegenheitskletterer genauso wie für erfahrene Steilwandliebhaber großartige Stahlseilrouten. Zum Beispiel die Via Örfla, die durch eine tief eingeschnittene Schlucht von Götzis bis hinauf nach Meschach führt. Nasse Füße garantiert!

Bereits am Vortag fuhren wir die schmale Straße von Götzis hinauf bis hinter Meschach, um dort unsere Saisoneröffnung an der Via Kessi zu feiern. Einen Tag später bogen wir wieder in Richtung Meschach ab, doch hielten bereits nach wenigen Metern rechts am Parkplatz des örtlichen Freibads. Dort beginnt der Zustieg zur Via Örfla, einem landschaftlich eindrucksvollen Klettersteig, der oft nah am Wasser, gegen Ende hin dann etwas weiter oberhalb des Emmebachs durch die Örflaschlucht führt.

Vom Parkplatz am Freibad liefen wir flussaufwärts auf dem Meschatleweg, überquerten den Bach auf einer Brücke und liefen auf der anderen Flussseite weiter in die Schlucht hinein. Nach einer Rechtskurve gelangten wir an ein Schild “Örflaschlucht Emmsbach” und wusste nun, dass wir richtig lagen. Das ist nicht selbstverständlich, denn vor Ort wird der Steig auf keinem einzigen Wegweiser erwähnt. Also querten wir den Bach an einer weiteren Brücke, stiegen im gegenüber liegenden Wald kurz steil auf und querten die dritte Brücke. Kurz darauf zweigt rechts ein schmaler Trampelpfad vom Meschatleweg ab und endet vermeintlich in grobem Blockgelände. Doch die Dynamikseile am anderen Ufer gaben uns Gewissheit und wiesen und ab hier den Weg bis zu den ersten Versicherungen, die wir erst nach einem guten weiteren Stück erreichten.

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kk
Kaltes Wasser, feuchter Fels

Nach einer weiteren halbe Stunde Marsch direkt am Ufer, erreichten wir eine große Wandstufe, hinter der die ersten Versicherungen rechtsseitig an den Felswänden entlang führten. Wir fanden den plätschernden Bach aber deutlich aufregender, als die leichten Querbänder oben an der Felswand. So blieben wir erst einmal unten und kraxelten gemütlich am und teilweise durch das feuchte Nass weiter. An einem mächtigen Klemmblock hieß es dann aber auch für uns Klettergeschirr anzuziehen, den Bachlauf erneut zu queren und linksseitig den Versicherungen zu folgen. Diese führen anfangs durch leichten A-Bereich, bis ein kurzer Aufschwung (B/C) etwas Können erfordert. Anschließend folgt Gehgelände, dann eine abdrängende Querung und noch einige weitere kurze, aber spaßige Aufschwünge. Dann folgten wir dem Pfad erneut durch den Wald, passierten eine sehr kurze, versicherte Passage (A) und stiegen wieder hinunter zum Bach, auf dessen gegenüberliegender Seite wir bereits die knapp 30 m hohe und leicht überhängende Schlusswand erblickten.

Sportliches Finale mit Überhang

Via Örfla - Patruckel.comDie erste Besonderheit der Schlusswand ist die Freikletterstelle zu Beginn. Erst in zwei Meter Höhe wurden die ersten Trittstifte eingebohrt, das Seil beginnt in vier Meter Höhe. Also hieß es die ersten Meter ungesichert im 2er Bereich zu klettern, bis die Karabiner im Stahlseil einrasten konnten. Doch zum Verschnaufen blieb keine Zeit, hingen wir doch in einer abdrängenden Querung, die zum Pausieren nicht wirklich der richtige Ort war. Allerdings wurde es nicht besser, die Querung ging direkt in das schwierigste Stück des gesamten Steigs über, einem kurzen, aber kraftraubenden Überhang. Dieser wird in der Literatur mit D bewertet, was meines Erachtens allerdings zu niedrig angesetzt ist. Gerade im Vergleich mit einigen Passagen der benachbarten Klettersteige Via Kessi und der Via Kapf, stufe ich den Überhang in der Via Örfla-Schlusswand klar als D/E ein. Hat man diese Stelle allerdings überwunden, ist es auch fast geschafft. Noch einige kleine Aufschwünge, dann ist der Ausstieg erreicht und auch der Rückweg über die Brücke nach Meschach und zurück ins Tal ist ab hier gut ausgeschildert.

Fazit

Via Örfla - Patruckel.comDie VIa Örfla in der gleichnamigen Schlucht zwischen Götzis und Meschach ist ein kurzweiliger Schluchten- oder Klamm-Klettersteig, der für trittsichere Klettersteiger sicherlich ein tolles Erlebnis ist. Der Zustieg ist etwas kompliziert und vom langen Weg entlang des Emmebachs soll man sich am besten nicht irritieren lassen. Wenn man dann endlich die Kletterstellen gefunden hat, ist nämlich alles prima. Die Versicherungen sind in Schuss, die Route ist originell und die feuchte Flusslandschaft echt eindrucksvoll. Leider ist der Klettersteig-Teil viel zu schnell vorüber und ehe man sich eingeklettert hat, steht man bereits vor der herausfordernden Schlusswand. Diese ist allerdings nicht ohne, weist eine kurze Überhangpassage (D/E) und einige Meter in steilem D-Bereich auf. Gerade für Familien mit Kindern bietet die Via Örfla ein spaßiges Abenteuer, das allerdings nur bei Niedrigwasser zu empfehlen ist. Außerdem sollte ein Sicherungsseil für schwächere Geher und Kinder im Gepäck sein, falls die steile Schlusswand nicht umgangen werden möchte.

 Eine Wegbeschreibung mit gpx-Track zum runterladen gibt es auf meiner Klettersteig-Karte.

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