Klettersteig-Camp 2013: Ein lehrreiches Wochenende im Montafon

VAUDE Klettersteig-Camp 2013 - Team

Vom 5. bis 7. Juli fand in Vorarlberg das von der Bergwelt Alpinschule Oberstaufen organisierte VAUDE Klettersteigcamp 2013 statt. Schwerpunkte waren die Bereiche Bergwandern, alpines Felsklettern, Gehen in weglosem Gelände und natürlich das sichere Begehen von Klettersteigen. Zusammen mit 40 weiteren Teilnehmern machte ich mich daher auf den Weg nach Gargellen, um zweieinhalb spannende Tage mit Gleichgesinnten im Klettersteig zu verbringen und Sicherheits-Tipps von erfahrenen Bergführern zu erhalten. Ein volles Programm mit Sport, Sonne und Spaß.


Klettersteigen boomt. Wo wir vor einigen Jahren meistens noch alleine im Steig herumtanzten, begegnet man heutzutage fast immer anderen Klettersteigern und steht zuweilen sogar im Stau. Viele die man trifft hängen zum ersten Mal am Drahtseil, denn gerade auch ungeübten Personen ohne alpine Grundkenntnisse ermöglichen Eisenwege die Chance Höhenluft zu schnuppern und – wie die großen Bergsteiger dieser Welt – in steilen Felswänden zu hängen. Täglich werden daher auch Klettersteig-Sets an Personen ohne Vorkenntnisse verliehen. Das bringt dem lokalen Verleiher Geld und dem Gast Genugtuung. Denn was „trendy“ ist, mag dieser ja besonders gern.

Aufklärung für alle

Genau hier liegt das Problem. Unerfahrenheit und Selbstüberschätzung sind mitunter die Hauptgründe dafür, dass Bergretter immer häufiger zu Einsätzen in Klettersteige gerufen werden und dort dann ihr eigenes Leben bei Bergungen riskieren müssen. Doch woher sollen Wissen und Erfahrung auch kommen? Speziell beim Verleih von Klettersteig-Sets kommen Hinweise auf die alpinen Gefahren bisweilen deutlich zu kurz. Und auch die Handhabung eines Klettersteig-Sets ist, obwohl vermeintlich einfach, nicht für jedermann selbstverständlich. (Noch immer bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an ein Erlebnis auf der Via ferrata Monte Albano – einem sehr anspruchsvollen Sportklettersteig in Mori am Gardasee – zurückdenke. In einer senkrechten Wand, 200 m über dem Boden, kommt mir ein Klettersteig-Neuling entgegen, der zwar einen Hüftgurt trug, sein Klettersteig-Set aber arglos an einer dünnen Schnalle seines Rucksacks befestigt hatte).

Ein erster Wachrüttler in der Szene war der tödliche Klettersteig-Unfall in der Ottenalm-Direttissima im vergangenen Jahr und die darauf folgende Rückruf-Aktion zahlreicher Klettersteig-Sets. Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung wird rund um das Klettersteigen noch viel zu wenig betrieben. Und genau hier setzen VAUDE und die Bergwelt Alpinschule Oberstaufen seit Jahren mit ihren gemeinsamen Sicherheits-Camps an. Der zentrale Gedanke: Bergsportbegeisterte über die Gefahren am Berg aufzuklären sowie Know-How und Techniken zu vermitteln, ohne dass dabei der Spaß zu kurz kommt. In Gargellen sorgten dieses Jahr sieben Bergführer für einen guten Mix aus Information, Unterhaltung und Spaß beim VAUDE-Klettersteig Camp 2013.

Stürzen verboten!

VAUDE Klettersteig-Camp 2013Zugegeben, Klettersteigen ist nicht schwierig. So ziemlich jeder halbwegs sportliche Mensch kann einen mittelschweren Klettersteig meistern. Vorausgesetzt, die Höhenangst lässt sich bändigen. Wer im dritten oder vierten Schwierigkeitsgrad sportklettert, der packt auch die anspruchsvollsten D- oder E-Steige relativ mühelos. Auf der anderen Seite sind die Eisenwege aber alles andere als ungefährlich. Andi Dick, Bergführer, DAV-Sicherheitsbeauftragter und Panorama-Autor, überbrachte in seinem Vortrag die zentrale Message sehr plakativ und mit Nachdruck:  “Stürzen im Klettersteig ist verboten!”

Vielen Leuten ist offenbar noch nicht klar, dass das Klettersteig-Set ausschließlich als Notfall-Sicherung dient und nur vor tödlichen Abstürzen schützen soll. Stürze, wie sie im Sportklettern dazu gehören (“Wer nicht fällt, wird nicht besser”), haben beim Klettersteigen absolut nichts zu suchen. Zuviel Energie muss auf zu kurzer Distanz von den Bandfalldämpfern des Klettersteig-Sets abgefangen werden. Brüche, Quetschungen und Rückenmarksverletzungen sind daher bei jedem Sturz möglich. Offenbar war das dem Einen oder Anderen noch nicht bewusst, denn augenblicklich wurde es etwas stiller im Raum. Andi ging noch weiter und machte die Gruppe auf viele Dinge aufmerksam, die gerade bei hochalpinen Touren von essenzieller Bedeutung sind.

Von der Tourenplanung im Vorfeld, über Wetter, Wolkenbildung und Gewitter, bis hin zu der Gefahr von Steinschlägen. Auch abseits der Kletterroute können die noch zur Gefahr werden. Selbst riesige Felsbrocken können beim Aufprall auf Gestein – wie Querschläger im Wilden Westen –  in 30 Grad-Winkeln abprallen und zu gefährlichen Geschossen werden.

Wo wir gerade beim Thema sind, kommen wir zu einer weiteren wichtigen Grundregel: “Wer den Mund nicht aufmacht, ist selbst schuld”. Das bedeutet so viel wie: Wer schwächelt, ein schlechtes Gefühl hat oder als Einziger die Wolkenfront am Horizont bemerkt, der soll und muss die Gruppe informieren. Tut er es nicht, so wird er selbst Teil der Fehlerkette und ist mitschuld, wenn am Ende etwas passiert. Denn am Berg ist man immer ein Team. Auch dann, wenn man einen noch so einfachen Klettersteig geht und die Gefahren auf den ersten Blick überschaubar scheinen. Die Freude am Klettern, die Ruhe der Natur, das Erreichen des Gipfels oder die anschließende Hütteneinkehr sind alles Gründe dafür, warum wir in die Berge gehen. Doch um diese richtig genießen zu können, ist das Wissen um die Gefahren, die sie umgibt, unerlässlich.

Drahtseil-Action und Technik-Stunde

VAUDE Klettersteig-Camp 2013Natürlich wurde nicht nur referiert. Auch die Praxis kam nicht zu kurz. Aufgeteilt in mehrere kleine Gruppen konnten alle Teilnehmer mit mindestens einem Bergführer Touren unternehmen und erhielten dabei viele praktische Tipps. Ich selbst erklomm auch zwei herrliche Klettersteige. Erst ging es  auf den Saulakopf und am Sonntag zu den Gargellner Köpfen. Dabei  lernte ich im Block “Seiltechnik am Klettersteig” auch noch, wie schwächere Geher mittels verschiedener Seilsicherungstechniken am Klettersteig gesichert werden können, um anspruchsvolle Passagen leichter zu überwinden. Ziemlich unentbehrliches Wissen, das ich schon an der Tajaspitze hätte gebrauchen können.

Und sonst so…

Viele nette Gespräche mit einem bunt gemischten Teilnehmer-Haufen, reichlich Essen, das ein oder andere kühle Bierchen, Lagerfeuer, Testcenter zum Ausprobieren von Outdoor-Produkten und ein Vortrag des VAUDE-Athleten Heli Kotter, der uns mit seinem mit seinem Sansara-Video faszinierte.

Fazit

Mir persönlich war es wichtig, einmal bei einer solchen Sicherheits-Veranstaltung teilzunehmen. Natürlich war mir einiges bereits im Vorfeld bekannt. Vieles aber eben auch noch nicht. Dafür wurden der Blick geschärft und das Bewusstsein geweckt. Wenn man mit Bergführern unterwegs ist, lernt man immer etwas dazu. Und das soll auch die Essenz dieses Beitrags sein: Geht man in die Berge, dann sollte man tunlichst über die Risiken und Konsequenzen Bescheid wissen und seine Optionen kennen.

Wer Interesse am Klettersteig-Camp hat, der sollte sich schon einmal das nächste VAUDE-Klettersteigcamp vormerken. Das Team der Alpinschule Oberstaufen organisiert bereits seit acht Jahren Sicherheitscamps und verfügt über einen entsprechend reichen Erfahrungsschatz, hat ein tolles Team und viel Organisationsgeschick.

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Ein Gedanke zum Artikel “Klettersteig-Camp 2013: Ein lehrreiches Wochenende im Montafon

  1. […] verleiten. Dann verkehrt sich der angestrebte Effekt ins Gegenteil. Immer noch am wichtigsten: Das Gespür für Gefahren (Wetter, Steinschlag) und für die eigenen Grenzen. Mit andern Worten: Der Mensch […]

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