Die Klettersteige Wälder und Abendrot am Widerschrofen Luftig, steil und ganz schön knackig

Abendrot-klettersteig am WiderschrofenIm Bregenzerwald, genau zwischen Mellau und Schoppernau, gibt es 2 kurze, aber rassige Sportklettersteige. Da die beiden Routen praktisch vor meiner Haustüre liegen, das Wetter mitspielte und auch noch 2 Urlaubstage bevorstanden, hat Patruckel die Klettersteigsaison 2016 eben genau dort eröffnet. Der erste Streich fand am Wälder-Klettersteig statt. Der zweite am Abendrot-Steig. Beide übrigens gar nicht ohne…

Der Schnee im Voralpenland ist geschmolzen und der Hahnenfuß blüht: sichere Frühlingsboten hier unten im Allgäu und Zeit die Klettersteig-Saison zu eröffnen. Patruckels erste Tour des Jahres fand am Widerschrofen statt. Eine knapp 120 Meter hohe Felswand bei Schnepfau im Bregenzerwald. Dort hinauf führen seit 2013 der Wälder-Klettersteig sowie der parallel verlaufende Abendrot-Klettersteig. Um in aller Ruhe klettern zu können, fuhren wir bereits am Vorabend hinüber in den Bregenzerwald und übernachteten direkt am Klettersteig-Parkplatz, keine 200 Meter von der Wand entfernt.

Kurze Wege am Widerschrofen

Nach einer zugegebenermaßen recht frösteligen Nacht folgte ein kurzes Frühstück, ehe wir uns auf den Weg zur Wand machten. Dieser Teil der Tour war allerdings relativ schnell abgehakt: Nach gefühlten 20 Sekunden und geschätzten 200 Metern erreichten wir ein Schild, das uns den Weg zum Einstieg des Wälder-Steigs wies.

Wälder-Klettersteig-Widerschrofen

Wir querten das trockene Bachbett, stiegen auf der gegenüberliegenden Seite eine kurze Holztreppe hinauf und standen bereits am Einstieg. Beim Blick die Wand hinauf wurde uns sofort klar, dass die angegebene Schwierigkeit wohl nicht untertrieben wurde und uns ein heißer Ritt erwarten würde. Die Wand ist fast senkrecht und der Fels nass und rutschig. Das konnte ja heiter werden…

Rutschpartie am nassen Fels

Die ersten Klettermeter des Jahres waren wieder sehr aufregend. Ein erster leichter Aufschwung führte in eine nasse und trittarme Querung. Ich traute meinen Vibram-Sohlen noch nicht so ganz und wartete nur darauf, dass ich ruckartig nach hinten wegrutschen und ins Seil fallen würde. Passierte natürlich nicht. Passiert nie. Trotzdem ein ungutes Gefühl. Das hielt sich noch eine Weile, bis wir die nassen Tritte und Klammern unter uns ließen und auf trockenem Fels weiterklettern konnten. Jetzt kam auch noch die Sonne raus. Wunderbar.

Einstieg am Wälder-Klettersteig

Sitzen, Kucken, Klettern

Schon nach wenigen Minuten hatten wir die ersten 50 Höhenmeter hinter bzw. unter uns gelassen und erreichten das große Band, welches den Steig mit dem benachbarten Abendrot-Steig verbindet. Nach kurzer Rast kletterten wir weiter eine steile Rampe und einige rassige Aufschwünge hinauf. Nichts zu wildes, aber für den ersten Steig seit einigen Monaten doch recht angemessen. An der zweiten Rastbank hielten wir erneut inne. Wir hatten keine Eile, nahmen Platz und genossen, wie sich die Sonne ihren Weg über die benachbarte Kanisfluh bahnte.

Im Anschluss folgte direkt der vielleicht schwierigste Abschnitt des Wälder-Klettersteigs: Direkt vom Band weg führt die Route stark ausgesetzt und überhängend weiter. Um die 80 Meter Luft unter dem Hintern hat man an dieser Stelle schätzungsweise. Nach 4 oder 5 gezielten Zügen ist man aber schon durch, quert noch einmal nach links und hat auch schon den Ausstieg vor Augen. Mit Pausen haben wir etwas über 30 Minuten gebraucht.

Teil 2 am Abendrot-Steig

Ein toller Nebeneffekt dieser talnahen Sportklettersteige ist sicherlich der kurze Abstieg. Im Falle des Widerschrofen ist er eigentlich keine Erwähnung wert. Und vielleicht gerade deshalb doch. 5 Minuten trabt man locker den Wirtschaftsweg hinunter, schon steht man wieder am Parkplatz, 1 Minute später wieder am Einstieg. Diesmal aber ließen wir den Wälder Steig links liegen und wendeten uns dem direkt benachbarten Abendrot-Klettersteig zu.

Abendrot-klettersteig am Widerschrofen

Ein Kraftakt nach dem nächsten

Im Gegensatz zum Wälder-Klettersteig ist der Abendrot-Steig noch einmal deutlich anspruchsvoller. Auch von erfahrenen Kletterern wird hier einiges abverlangt. Ich selber wollte mich am ersten Klettertag des Jahres noch nicht übernehmen und schickte daher meinen Kollegen alleine hinauf. Der sehr sportliche Kletteraffe hing nach 25 Minuten fix und alle kurz unterhalb des Ausstiegs in seiner Rastschlinge, sammelte die letzten Kräfte und tankte sich die letzten Meter zur Kante hinauf. Respekt.

Abendrot-Klettersteig mit Kanisfluh-Blick

Bis auf das eine Verbindungsband mit der ersten Rastbank verläuft der Abendrot-Steig durchgängig mindestens im Schwierigkeitsbereich D. Glatte Platten, Überhänge und Steilstufen geben sich hier die Hand. Man ist eigentlich die gesamten 120 Klettermeter völlig exponiert, Rasten ist so gut wie nur in der eigenen Rastschlinge möglich. Und das Rasten ist nötig in diesem Steig. Überdurchschnittliche Armkraft ist hier neben klettertechnischem Können ein Muss. Ich war an diesem Tag noch nicht bereit dafür. Doch die Saison ist lange, und die beiden Steige sind seit unserem Umzug quasi meine neuen Haus-Klettersteige. Mal sehen was die Saison noch für Überraschungen bietet… 🙂

Abendrot-klettersteig am Widerschrofen

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Fotos der Klettersteig-Tour am Widerschrofen

 

Fazit

Der Widerschrofen bei Schnepfau im Bregenzerwald ist eine etwa 120 Meter hohe, senkrechte Felswand mit 2 rassigen, direkt benachbarten Sportklettersteigen für kräftige und mutige Klettersteiger. Armkraft und einiges an Klettererfahrung sollte man schon mitbringen, wenn man einen oder gleich beide Steige erklimmen möchte. Anfänger oder Kinder haben hier wirklich nichts verloren und sollten lieber die wunderschönen und nur wenige Kilometer weiter liegenden Karhorn-Klettersteige begehen.

Wälder-und Abendrot-Steig sind vom Parkplatz am östlichen Ortsrand in wenigen Gehminuten erreichbar und bieten durch die Verbindung im Mittelteil viele mögliche Begehungsvariationen. Gerade im unteren Bereich sind die beiden Steige oft feucht. Vor allem der Wälder-Klettersteig trocknet im unteren Bereich fast nie komplett ab. Wer keine Lust auf diesen Unsicherheitsfaktor hat, sollte diesen Hinweis in Betracht ziehen. Der kurze Abstieg von weniger als 10 Minuten ist noch zu nennen. Ein weiterer Pluspunkt dieser beiden durch die Bergwacht Mellau bestens gewarteten Vie Ferrate.

 

Die genauen Routen samt Beschreibung gibt es hier:

 

Der Wälder-Klettersteig mit genauer Routenbeschreibung samt gpx-Download auf meiner Klettersteig-Karte:

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Der Abendrot-Klettersteig mit genauer Routenbeschreibung samt gpx-Download auf meiner Klettersteig-Karte:

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