Klettersteigen im Apennin: Die Deanna Ferrata Orlandini (C/D)

Deanna Ferrata OrlandiniIrgendwann hatten wir die Schnauze voll. Nach mehreren Tagen Regen und  2° im August, war es dann genug. Der geplante Klettersteig-Trip durch die Alpen wurde auf einem Campingplatz bei Vigo di Fassa nach nur einer Tour in die Tonne getreten. Stattdessen fuhren wir einfach Richtung Süden. Unser Ziel: Sonne. Doch auf dem Weg in den Apennin kam uns dann – ganz unverhofft – doch noch ein Klettersteig in die Quere. Keine halbe Autostunde von Genua entfernt wurde die Deanna Ferrata Orlandini in das Konglomeratgestein der ersten Apenninausläufer gebohrt. Und so kam ich doch noch zu einem Klettersteig. Meinem ersten außerhalb der Alpen.

Heiß war es. Wir schwitzten schon am Parkplatz. Was wir uns noch vor einigen Tagen in den Alpen wünschten, haben wir im Apennin bekommen. Über 30° hatte es, als wir an der Kirche in Crocefieschi zu unserer Tour aufbrachen. Aus dem Dorf hinaus und durch die wilde Macchia bis zum Einstieg spazierten wir gemütlich einem gelben Quadrat hinterher, der offiziellen Wegmarkierung. Zuverlässig findet man sie regelmäßig an Trockensteinmauern, Strommasten oder Toren. Wir genossen noch ein wenig den Schatten beim Zustieg, denn schon bald würde damit Schluss sein. Die Deanna Ferrata Orlandini führt über nackten Fels. kein Schatten weit und breit.

Klettern wie an Nagelfluh

An der Einstiegstafel wurde noch geschwind die Route angeschaut. Der Steig hat 4 Sektoren zum Klettern, dazwischen läuft man auf schottrigen Pfaden durch die Maccia. Mehrmals kann man kurze Alternativrouten klettern und umlaufen, wenn es einem zu schwer erscheint. Gleich auf den ersten Metern zum Beispiel darf man eine Passage durch eine enge Felsspalte umklettern. Am interessantesten ist aber das eigenartige Gestein des Berges. Hier im Naturpark Antola besteht der Fels aus einem brüchigen Konglomeratgestein, das stark dem der Nagelfluhkette ähnelt, nur etwas dunkler ist. Los ging’s.

Besuch im Bivak

Nach 2 Kletterpartien zum Eingewöhnen folgte bereits der Abstieg. Unangenehm steil, schottrig und rutschig führt er in eine Senke, wo “La Biurca”, also Abschnitt 2 beginnt. Die folgende Passage ist eigentlich mit die schönste des Klettersteigs. 2 leichte Aufstiege braucht man, um dem Gratverlauf weiter nach oben zu folgen und auf einem kleinen Grasflecken rasten zu können. Ehe es anschließend gilt, eine senkrechte Wand im Aufstieg 2 mal zu queren, um zum Steigbuch zu gelangen. Wer will, kann auch hier die Steilwand auf einem Pfad umgehen. Der ist allerdings auch recht steil und daher nicht ohne. Wenige Meter vom Ausstieg entfernt steht ein liebevoll gestaltetes Bivaco, dessen Besuch sich wirklich lohnt. Ein Ort, in dem Liebe steckt, das kann man deutlich sehen.

Ein schwerer Turm zum Abschluss

Ab dem Bivac ist die Kletterei abwechslungsreich und quert – nie schwer – fast durchgängig die Ostflanke des Massivs. Nach etwas Auf und Ab am Ende überquerten wir zum Abschluss noch eine kurze Seilbrücke, dann lag “Il Traverso” hinter uns. Langsam hatte ich Spaß gefunden an der Kletterei in dem ungewohntem Fels. Der 4. Abschnitt kam mir da gerade recht. Über einen geschätzt 12 Meter hohen Felsturm wurde der letzte Teil der Route gebohrt. Der Aufschwung ist im unteren Bereich gut machbar, aber oben hängt der Fels deutlich über. Ein paar Mal muss man hier kräftig zupacken, dann wirds schon leichter. Wenige Schritte weiter und ich war durch. Schön ist es da oben. Blick auf den Apennin, kleine Dörfer, die Ausläufer Genuas und das tiefblaue Mittelmeer.

Rutschiger Rückweg

Der Rückweg liegt leicht oberhalb des Klettersteigs und führt teilweise auch über Verbindungswege, auf denen wir auf dem Hinweg schon liefen. Nach kurzer Verwirrung war’s wieder eindeutig, denn die gelben Quadrate waren wieder da. Diesen tapsten wir auf Schotterpfaden hinterher, an der Einstiegstafel vorbei, und zurück zur Kirche in Crocefieschi. Schon 4 Stunden wartete dort unser Pepemobil. So lange nämlich dauerte sie, unsere erste Klettersteigtour außerhalb der Alpen.

Fazit:

Die Deanna Ferrata Orlandini ist ein Klettersteig in brüchigem Konglomeratgestein, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber viel Spaß macht. Da der Steig viele verschedene Pfade, Notausstiege und Umgehungsrouten hat, lassen sich schwere Passagen umgehen und unterschiedlichste Varianten klettern. Bis auf die Steilwand in Abschnitt 2 und dem Turm im 4. Abschnitt ist der Steig nie schwerer als (B/C) und kann auch von Kindern mit erfahrenen Eltern gemacht werden. Das liebevoll gepflegte Bivaco ist sehenswert und lohnt einen kurzen Besuch. Wer auf der Durchreise zwischen Mittelmeer und Heimat ist, der kann hier einen halben Tag Klettersteig-Spaß erleben.

Die Tour gibt es wie immer auch auf meiner interaktiven Klettersteig-Karte: Route und Beschreibung der Deanna Ferrata Orlandini im Apennin.

Zur Galerie: Bilder der Deanna Ferrata Orlandini

 

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