Sinn oder Unsinn? Der Crazy Eddy (D) in Silz

Seilbrücke am Crazy Eddy, SilzDer Weg ist das Ziel. Gerade beim Klettersteiggehen gilt dieser Satz meiner Meinung nach ganz besonders. Der Crazy Eddy verkörpert dieses Motto auf seine ganz eigene Weise. Denn es gibt gar kein Ziel. Sinn oder Unsinn? Diese Frage muss sich “am Ende” jeder selbst stellen.

Zum Abschluss unseres Kurztrips, übers Ötztal zum Gardasee und zurück, machten wir noch einmal Halt im beschaulichen Silz. Seit 2002 gibt es hier einen Fun-Klettersteig mit dem Fragen aufwerfenden Namen Crazy Eddy. Crazy was? Crazy wer? Warum? Wer ist der Typ? Soweit ich das verstanden habe ist der Steig benannt nach dem, direkt unterhalb des Steigs befindlichen Crazy Eddy Camp, wo ein Outdoor-Unternehmer neben Rafting, Canyoning, Floßtouren und Kanufahren auch jede Menge weiterer Outdoor-Abenteuer anbietet. Als wir jedoch an dem Camp vorbeifuhren, sah es so aus als hätte der Laden mittlerweile dicht gemacht. Im Netz wurde ich auch auf Anhieb auch nicht schlauer, aber einige Verlinkungen führten mich immer wieder zur nahen Area47, einem modernen Outdoor-Spielplatz-Themenpark, wenn man so will.

Ist hier wer?

Ob des verlassenen, oder noch im Winterschlaf befindlichen Camps, waren wir uns plötzlich nicht mehr so sicher, ob der Crazy Eddy-Klettersteig überhaupt noch existieren würde. Und wenn doch, ob ihn überhaupt noch jemand wartet. Wir fuhren also etwas ungewiss über die Autobahnbrücke und hielten am Waldrand, direkt vor dem vermeintlichen Zustieg, welcher auch mit keinem noch so kleinen Hinweisschild markiert war. Am Crazy Eddy, SilzDa wir natürlich heiß waren auf ein wenig Kletter-Action, versuchten wir unser Glück und folgten dem aufsteigenden Pfad 20 Minuten steil bergauf, bis wir – zu unser aller Freude – ein Stahlseil entdeckten, dass bis hinunter zum Wandfuß führte.

Sofort klinkten wir uns ein und erklommen die zum Teil wirklich steilen und glatten Platten (C, zum Teil kurz auch D), bis wir wieder einmal richtig ins Schwitzen gerieten. Zwei längere Abschnitte dauerte die Kraxelei, dann hatten wir den ersten Teil geschafft. Wir hielten uns links und folgten einem schmalen Pfad aufwärts, um zum zweiten Teil zu gelangen. Da jedoch auch hier keinerlei Schilder oder Richtungspfeile zu finden waren, keuchten wir den Pfad aufwärts und verpassten den unscheinbaren Abzweig nach rechts. Nach 15 Minuten Keucherei waren wir gefühlt fast am Gipfelplateau.

Weit und breit jedoch kein Anschein eines Klettersteigs. Von einem Gamsbock beäugt fassten wir den sinnvollen Entschluss umzukehren und siehe da, wer sucht, der findet. Kurze Versicherungen führten über einige Felsen und nach einem kleinen Anstieg sahen wir schon das zweite Kletter-Highlight: eine ca. 30 Meter lange Einseilbrücke.

Nur nicht loslassen. Aber mich juckts.

Am Crazy Eddy, SilzSeilbrücken sind ja irgendwie immer eine gern gesehene Abwechslung. Es ist zwar nicht so, dass ich mir einen Steig deshalb aussuche, weil es dort so eine schmalspurige Passage gibt. Aber trotzdem finde ich diese Dinger immer ganz aufregend. Da ich nicht ganz schwindelfrei bin, ist es für mich auch immer wieder mit ein wenig Überwindung verbunden. Meist aber erst, wenn ich in der Mitte stehe, am höchsten Punkt. Eine Einseilbrücke ist natürlich daher noch etwas heikler.

Man steht auf einem dünne Stahlseil(-chen) und hat beide Karabiner oben in ein weiteres Seil geklinkt, an dem man sich dann mit beiden Händen festhalten muss. So schiebt man sich dann Schritt für Schritt vorwärts und darf nicht mal daran denken, sich irgendwo zu kratzen oder übers Gesicht zu wischen. Komischerweise habe ich oft genau in solchen Momenten – hoch über dem Boden – den Drang, genau dies zu tun. Und zwar mit beiden Händen.

Und wo bitteschön geht’s jetzt lang?

Steile Platten am Crazy Eddy, SilzNach der Seiltanznummer geht es durch brüchiges Gelände und ein kleines Stück abwärts in Richtung Tal. Dann teilt sich das Stahlseil und führt ringartig um eine Abbruchkante herum. Geschätzte 40 Meter fällt die Wand dort senkrecht ab, wo mehrere Abseilstellen dazu einladen, Seile einzubauen und hinunter zu sausen. Im Vorfeld hatten wir auch über diese Möglichkeit erfahren, allerdings überwog die Faulheit unser Seil den Berg hochzuschleppen. Dazu kam die Ungewissheit über den Zustand des Steigs und somit blieb uns hier nichts anderes übrig, als erneut über die Seilbrücke zu balancieren und einen kleinen Trampelpfad einzuschlagen, um an den Wandfuß unterhalb der Abseilstellen zu gelangen. Dort befindet sich auch der dritte und letzte Teil des Steigs. Und der ist nun wirklich einmalig. Einmalig sinnfrei.

Ok, da hoch. Und dann?!

Stahlseilspinne am Crazy Eddy, SilzGanz sicher bin ich mir immernoch nicht, aber ich glaube, dass die Abseilstellen nicht direkt oberhalb des dritten Steigabschnitts liegen. Obwohl das laut Beschreibung so der Fall sein sollte. Wie dem auch sei, wir standen plötzlich vor einer 10 Meter hohen Stahlseil-Spinne aus Kettengliedern, die von zwei schmalen Trittleitern umrahmt wird. Wir versuchten uns an den Leitern, gaben aber nach kurzer Zeit und wenig Fortschritt auf. Offenbar sind diese beiden Elemente nur für Zirkus-Angestellte vorgesehen.

Als Normalbürger fühlt man sich auf solchen Gerätschaften nicht wirklich auf heimischem Terrain. Zumal wir uns die Frage stellten, aus welchem Grund wir eigentlich die Leitern besteigen sollten. Genau wie auch die Spinne, endeten diese, wenige Meter über uns, ohne jegliche Möglichkeiten weiter zu klettern. Wie neugierige Kinder auf einem noch unerforschten Spielplatz stürzten wir uns kurzerhand auf die Spinne, die sich deutlich leichter erklimmen lies. Doch auch hier stellten wir uns nach wenigen Metern die Sinnfrage und kletterten ohne Erleuchtung wieder herab. Nach 90 teilweise interessanten, teils fragwürdigen Minuten, erreichten wir wieder das Auto.

Fazit:

Vorweg für alle Zweifler: Der Steig ist noch da. Ob er gewartet wird? Keine Ahnung. Aber es macht stark den Anschein, als ob. Auch macht er grundsätzlich Spaß, vor allem zu Beginn. Der Zustieg ist kurz und die ersten (richtigen) Klettersteigstellen sind anspruchsvoll (bis D, können aber auch alternativ auf der rechten Seite B geklettert sowie auch komplett zu Fuß auf Pfaden umgangen werden). Ärgerlich ist die fehlende Beschilderung, die bestimmt nicht nur uns erst einmal auf die falsche Fährte schickte. Die Seilbrücke ist auch witzig, nur kommt eben kurz darauf der Dämpfer. Offenbar kann man sich – vorausgesetzt man hat ein 70 m Seil dabei – von den Abseilstellen direkt auf die Spinne abseilen.

Vor Ort hatten wir allerdings den Eindruck, dass die Spinne nicht exakt darunter liegen würde. Doch auch wenn dem so wäre, stellt sich mir immer noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Man erklimmt keinen Gipfel, man erreicht kein markantes Ziel, man klettert hoch, kehrt wieder um, steht dann vor dieser merkwürdigen Kettenkonstruktion und lauscht dem allgegenwärtigen Autobahnlärm. Wer Klettersteige mit Natur, Ruhe und Gipfelglück verbindet, der ist hier definitiv falsch aufgehoben. Wer hingegen auf Hochseilgarten-mäßige Action und Abeteuer steht und noch dazu zufällig in der Nähe ist, der kann hier getrost einmal vorbeischauen. Allerdings sollte man dann nicht vergessen ein langes Seil mit hochzuschleppen.

Eine ausführliche Beschreibung mit gpx-Track gibt es auch wieder hier.

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6 Gedanken zum Artikel “Sinn oder Unsinn? Der Crazy Eddy (D) in Silz

  1. lampy.pl sagt:

    tack. 🙂 -wow, en sÃ¥ndär jäkel, sÃ¥ vackra att se pÃ¥, men trist när de snurrar in sej i hÃ¥ret o sÃ¥nt. men det fÃ¥r man väl unna dom (!?), de kortlivade smÃ¥…! 🙂

  2. http://www./ sagt:

    Fint! Nästan exakt samma färger som vi satte i vår förstuga när vi byggde om den. Fast vår är mindre än er. Någon soffa går det då inte in. Visst är det roligt när något äntligen blir färdigt. Trodde dock att Ottossons pärlgrå var lite mörkare, men bra att få se den på en vägg så där.

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  4. Hawk sagt:

    I aprpeciate you taking to time to contribute That’s very helpful.

  5. […] diese Alpinismus-Variante zu einer eher skeptischen Sichtweise. Mir gefällt die Hinwendung zum Fun-Parcours mit allerlei Schnickschnack nicht: Hochseilgärten im […]

  6. […] wir uns auf den Weg und erklommen das eigenartige Klettersteig-Element, welches ich bereits vom Crazy Eddy her kannte, das hier jedoch mehr als doppelt so lang war und eine überhängende Felswand in […]

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