Unsere Klettersteigpremiere 2013: Der Lehner Wasserfall (C) im Ötztal

Überhang am Lehner WasserfallAlles Gute bringt der Mai. Pünktlich zum Tag der Arbeit legten wir unsere Lieblingsausrüstung an und erklommen den Klettersteig am Lehner Wasserfall. Eine zwar kurze, jedoch eindrucksvolle Tour entlang tosender Wassermassen auf einem der schönsten Klettersteige im Ötztal.

Steigende Temperaturen, schmelzender Schnee und vier freie Tage am Stück. Wann gab´s das zuletzt? Kombiniert mit einer relativ lausigen Wetterprognose reichte uns das aber, um endlich wieder einmal dem Alltag zu entfliehen und den ersten Eisenweg des Jahres anzugehen.

Da wir uns sowieso auf dem Weg nach Südtirol befanden, fiel die Wahl recht schnell auf einen der schönen Klettersteige im Ötztal. Tolle Wegführungen, äußerst gut gewartete Stahlseile und vor allem nicht so hochgelegen, dass wir am Ende noch durch Schnee oder sogar Eis stapfen müssten. Der Lehner Wasserfall ist da ein sicheres Pflaster. Und so reisten wir am Vorabend an, schlugen unser Nachtlager in der Nähe von Längenfeld auf und waren am Morgen die Ersten auf dem Parkplatz in Lehn beim Ötztaler Heimatmuseum. Nach einer kurzen Umzieh- und Kaffeepause ging es um 08:30 Uhr los zum nur wenige Meter entfernten und gut ausgeschilderten Einstieg.

Steigtafel am ZustiegKurze Wege zum Glück

Ein großer Vorteil der Klettersteige im Ötztal sind deren sehr kurze Zustiege. Kein Talhatsch, keine mehrstündige Wanderung bis zum Einstieg, es kann gleich losgeklettert werden. Doch was für uns Anfang Mai von Vorteil war, kann in der hochsommerlichen Ferienzeit zum absoluten Horror eines jeden Klettersteig-Freundes werden. Denn kurze Zustiege bedeuten in der Regel auch viel Betrieb. Zähes Vorankommen oder sogar Staus wie so oft auch am überlaufenen Salewa-Klettersteig sind die Folge. Doch wir waren zeitig dran und die relativ schlechte Wetterprognose ließ auch keinen Massenandrang vermuten. Gemütlich schlenderten wir auf einem Kreuzweg – entlang alter Wassermühlen des Heimatmuseums –  in Richtung Einstieg. Natürlich nicht ohne dem hier versteckten Geocache einen Besuch abzustatten und das Logbuch mit unserem Kürzel zu versehen.

Wie an vielen anderen Steigen erinnern auch hier die Hersteller über die Rückrufaktion einiger ihrer Sets.

Nach einer Viertelstunde führt der Weg über eine kleine stählerne Hängebrücke zu den ersten kurzen Versicherungen. Wie an vielen anderen Steigen sind auch hier die Hinweisschilder einiger Klettersteigset-Hersteller angebracht, die an diverse Rückrufaktionen  aufgrund des schweren Unfalls im vergangenen Jahr erinnern.

Größte Hürde: Einstiegswand

Der Klettersteig zum Lehner Wasserfall beeindruckt durch seine originelle Wegführung entlang der schräg abfallenden Platten, weniger durch seine schwierigen Kletterstellen. Nichtdestotrotz wird man gleich am Anfang mit einer knapp 30 m hohen Wand konfrontiert, deren schwierigere Passagen im C-Bereich liegen. Einstiegswand Lehner WasserfallViele natürliche Tritte und noch mehr Trittbügel und Klemmen machen die Wand jedoch für jeden schwindelfreien Klettermaxen zugänglich. Natürlich wird etwas Armkraft verlangt und gerade am Ende des ersten Absatzes wartet mit einem kleinen, von unten unscheinbaren Überhang eine unerwartete Konditionsprobe. Eine kurze Querung, ein weiterer lockerer Aufschwung, dann flacht das Gelände kurz ab. Die Sonne spitzt durch die Wolken, die Vögel zwitschern. Zeit für eine erste kurze Genußpause mit tollem Blick ins Ötztal.

Balanceakt in der Gischt

Deutlich leichter, dafür um einiges aussichtsreicher und spektakulärer geht es ab hier weiter. Der Steig verläuft hangparallel weiter in Richtung der brausenden Wassermassen. Wer hier vorspurtet kann nur hoffen, dass der Hintermann eine Kamera dabei hat, denn die Passage ist wirklich sehr fotogen. Traverse am Lehner WasserfallAuf zahlreichen Trittstiegen wird die Traverse überschritten, bis man die Gischt des nun sehr nahen Wasserfalls zu spüren bekommt.

Im Sommer ist dies sicherlich eine wohltuende Abkühlung. Andächtig verfolgen wir die Wassermassen, die sekundenlang im freien Fall die Felswand herunterstürzen, bis wir uns der schwierigsten Passage des Steigs widmen. Ein 30° steiler Überhang ist das offizielle Highlight des Steigs und lässt das Klettersteig-Herz höher schlagen.

Überhang am Lehner WasserfallDoch auch wer sich diese Turnerei nicht zutraut, braucht nicht umkehren. Die D-Stelle kann  auch problemlos – ebenfalls am Stahlseil gesichert – umgangen werden. Wenige Kletterzüge später ist dann auch schon das Steigende erreicht. Unter schattenspendenden Kiefern signieren wir noch das Steigbuch, danach wird eine ausgiebige “Gipfel”-Rast genossen.

Fazit:

Der Klettersteig Lehner Wasserfall ist auf jeden Fall ein Erlebnis und in Kombination mit den anderen Steigen im Ötztal wie zum Beispiel dem Stuibenfall oder dem Reinhard-Schiestl-Steig eine Reise wert. Je nach Tempo, Erfahrung und Kondition benötigt man für die Tour (Zustieg, Klettersteig, Abstieg) ca. eineinhalb bis drei Stunden. Wir hatten definitiv unseren Spaß. Und zwar soviel, dass es nächste Woche bereits wieder ins Ötztal geht…

Eine ausführliche Tourenbeschreibung gibt es auch hier.

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Ein Gedanke zum Artikel “Unsere Klettersteigpremiere 2013: Der Lehner Wasserfall (C) im Ötztal

  1. […] Seit wann bloggst Du? Ich blogge erst seit Mai 2013 selbst auf Patruckel.com. Für die Arbeit habe ich aber schon vorher so manchen Blogpost […]

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