Unterwegs am Camino del Rey – dem gefährlichsten Wanderweg der Welt

Camino del Rey

Der baufällige Camino del Rey in der El Chorro-Schlucht nahe Malaga war lange Zeit in Vergessenheit geraten und fiel in einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn erst ein Internet-Video vor wenigen Jahren wieder erweckte. Seitdem machen sich immer mehr Abenteuerlustige auf, um den baufälligen Pfad, der einst für den Bau einer Wasserkraftanlage errichtet wurde, zu finden und die drei Kilometer lange Strecke in schwindelerregender Höhe abzulaufen. Auch Marcel war vom “Camino” fasziniert und reiste im November nach Spanien, um sich auf den sagenumwobenen Weg zu machen. Wie er seinen Trip erlebt hat, könnt Ihr hier nachlesen.

Es ist Jahre her, irgendwann an einem verregneten Herbsttag, als ich auf Youtube durch Zufall das Video „The most dangerous pathway in the world“ gesehen habe. Auch wenn ich damals mit Klettersteigen bzw Klettern allgemein noch gar nichts am Hut hatte war mir klar: Ich will da hin, Ich will den El Camino del Rey, den Spanischen Königsweg laufen! Ganze fünf Jahre und einige Anläufe hat es gebraucht, bis endlich die Mitstreiter und der Terminkalender unter einen Hut gebracht werden konnten.

Im Vorfeld haben wir uns über den El Camino viel Informiert, dabei sind wir auch immer wieder über die Aussage gestolpert, das Betreten des Weges wäre verboten und die Strafen würden bis zu 30.000 € betragen. Eine Nachfrage bei lokalen Klettervereinen sowie später vor Ort stehenden Schilder zeigten jedoch: Das Begehen des El Camino ist völlig legal. Lediglich das Betreten der Eisenbahntunnel, welche den Zustieg deutlich erleichterten, ist strengstens verboten und nebenbei absolut lebensgefährlich.


Auf Los geht’s los

Nun, im November waren die Reisewilligen beisammen und der Billigflug mit Ryanair von Frankfurt-Hahn ins spanische Malaga gebucht. Jeder der schon mal mit Ryanair oder mit Kletterausrüstung geflogen ist, dem sollte klar sein, dass sich diese beiden Faktoren nur schlecht miteinander kombinieren lassen. Ryanair ist nämlich nur dann billig, wenn man die zulässige Freigepäckmenge von 10 kg einhält. Aber auch für dieses Problem gibt es im Internet passende Hilfestellungen. Als Gepäck zählt nämlich nur, was in einem Koffer ist.

Was man am Mann trägt, zählt nicht. Wer also kein Problem hat, einen Großteil der Kletterausrüstung beim Check-In und der Gepäckkontrolle am Mann zu tragen, kann hier noch mal richtig sparen. Ich verspreche Euch: Die Blicke der Zöllner sind göttlich 😉 Probleme gibt es dennoch keine. In Malaga angekommen empfiehlt es sich, einen Leihwagen zu mieten, denn der ÖPNV in die entlegenen Kletterregionen von El Chorro sind leider nicht die besten.

Nun aber genug Vorgeplänkel, wir kommen zum eigentlichen Ziel der Tour, dem El Camino del Rey. Den El Camino erreicht man am besten, indem man sich im verschlafenen Dörfchen El Chorro immer Richtung Campingplatz orientiert. Dort angekommen folgt man der Straße noch weitere 500 m Richtung Norden bis man auf einen großen Parkplatz stößt.

Ab hier geht es nun zu Fuß weitere 500 m über Wanderwege und Trampelpfade Richtung Norden, bis man auf die markante Felswand stößt. Hier angekommen weiß man sofort, dass man richtig ist. Bis vor wenigen Jahren konnte man hier einfach über die Eisenbahnbrücke laufen und war schon auf dem Camino. In Folge vermehrter tödlicher Unfälle durch ungesicherte Wanderer wurden 2010 die ersten 20 Meter des Steiges entfernt.


Schwieriger Einstieg am Königsweg

Einzige Möglichkeit jetzt auf den Camino zu kommen ist, sich auf alten eisernen Tritten ca. 80 Meter über Grund zu einer Kletterstelle zu hangeln und dort eine 3er Route im Vorstieg bis auf den alten Steig zu klettern. Selbst für nicht allzu erfahrene Klettersteigler aber eine machbare Herausforderung. Oben angekommen befindet man sich nun auf dem El Camino del Rey. Errichtet im Jahre 1900 als Versorgungspfad für den Bau einer Wasserkraftanlage in der zweiten Chorro-Schlucht, wurde er in El Camino del Rey umbenannt, als der Spanische König Alfonso zur Eröffnung der Wasserkraftanlage diesen Weg nutzte.

Schlüsselstellen, Wäscheleinen und Kopfzerbrechen

In der ersten Chorro-Schlucht bewegen wir uns immer weiter Richtung Norden auf dem Camino entlang, bis nach ca. 100 m die erste „Schlüsselstelle“ kommt. Hier wurden die Bodenplatten entfernt oder sind (wahrscheinlicher) einfach weggegammelt und in die Tiefe gestürzt. Ein altes Eisenbahngleis dient seitdem als Überquerungsmöglichkeit.

Wenige Meter weiter, kurz bevor wir auf dem legendären und aus vielen Bildern bekannten Aquädukt den Fluss überqueren, gab es noch eine zweite Schlüsselstelle zu überwinden, mit einem kleinen Balanceakt war aber auch das kein Problem. Auf der anderen Seite der Brücke angekommen, quasi auf der westlichen Seite der ersten Chorro-Schlucht hat der Weg einen deutlich schlechteren Zustand, trotz der Sicherungsseile im Format Wäscheleine haben wir uns allerdings keine großen Gedanken um die Tragfähigkeit des alten Gemäuers gemacht.

Kurz vor dem Ende der ersten Schlucht gab es dann noch eine Engstelle zu überwinden, die uns doch etwas mehr Kopfzerbrechen bereitete. Hier waren keine Tritte mehr vorhanden und auch das angebrachte Seil sah nicht sehr vielversprechend aus. Aber wie hat ein Freund mal zu mir gesagt? „Hirn ausschalten, nicht nachdenken und los geht’s“ – Ja, es war zwar ein wenig doof so ganz ohne vertrauenerweckende Sicherung, aber es ging.

Spanische Ingenieurskunst unter die Lupe genommen

Am Ende der ersten Schlucht folgt nun zur Entspannung ein kleiner Fußmarsch von ca. eineinhalb Kilometer, wer hätte es gedacht, immer in Richtung Norden bis zur zweiten Chorro-Schlucht. Über ein weiteres Aquädukt und alte rostige Stahlträger gelangt man nun auf einen Steig, der leider gänzlich ungesichert ist. An einigen problematischen Stellen wurden hier zwar Bohrhaken angebracht und an manchen Stellen hängen auch alte Kletterseile, der Statik dieser Haken und Seile hundertprozentig zu vertrauen wäre aber wohl fatal!

Vorbei an fehlenden Wegstücken wie wir sie schon aus der ersten Schlucht kannten, über Rohre und Träger geht es auf dem gammeligen Weg weiter bis wir nach ca. 900 m das Wasserkraftwerk „Desfiladero de los Gaitanes“ erreichen. Hier endete der Spanische Königsweg für uns. Da es sich nicht um einen Rundweg handelt, bzw. der Rundweg dann ca. 10 km Wanderweg wären, müssen wir hier nun den Rückweg auf bekanntem Terrain antreten. Dies wollten wir jedoch nicht machen, ohne uns vorher den Weg mal genauer anzuschauen und so suchten wir uns eine Stelle an der wir mal unter den Weg klettern konnten.

Was wir dort sahen bestätigte uns darin, wenn möglich immer am Seil gesichert zu sein. Der Weg besteht nicht, wie anfangs vermutet aus massiven Stahlbetonplatten sondern aus Ziegelsteinen die mit Beton übergossen wurden und dann als „Platte“ auf die alten Bahngleise gelegt wurden. Langfristige Tragfähigkeit sehr fraglich…

Nach ca. sechs Stunden (mit einer längeren Pause am Ende) waren wir zurück am Auto.


Zeit ein Fazit zu ziehen:

Der El Camino ist zwar ein sehr schöner Weg und sollte von einem Spanien-Kletterurlauber auf jeden Fall besucht werden. Jedoch ist er keineswegs ein anspruchsvoller Pfad und schon gar nicht der „most dangerous pathway in the world“.

Wer sich für einen Trip zum El Camino interessiert, der sollte übrigens folgende Tipps und Empfehlungen beherzigen:

  • Auto mit „Voll-Voll“-Tankregelung z.B. von Hertz am Flughafen für 160 € pro Woche
  • Übernachtung im Hostal Duran in Alora (ca 10km vom Camino) für 20€ pro Nase und Nacht
  • Klettersteige El Torcal und El Maceta machen, denn die sind deutlich Anspruchsvoller
  • Anstecher nach Gibraltar machen. Coole Bunker und sehenswerte Festungsanlagen
  • Abstecher nach Marokko (Fähre fährt ca 1,5 h und kostet 30 €)
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11 Gedanken zum Artikel “Unterwegs am Camino del Rey – dem gefährlichsten Wanderweg der Welt

  1. anonyrevcom sagt:

    Was kostet es den Caminito del Rey zu besteigen? Man findet im Netz keinerlei Informationen zum Preis.

  2. erhard sagt:

    Hallo,
    Der Link zum Hostal Duran führt zu einem Hotel in Ecuador
    Trotzdem vielen Dank für die Beschreibung

  3. […] 2,2 Millionen Euro kosten die Bauarbeiten, um den oft als gefährlichsten Wanderwege der Welt bezeichneten Pfad wieder sicher begehbar zu […]

  4. Johnb317 sagt:

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  5. Christian sagt:

    Vielen Dank für die guten Tipps und Kommentare, die rücken doch einiges, was da im Netz so zusammengeschrieben wird, in ein klares Licht. Macht große Lust … ungebrochen seit den ersten YouTube-Faszinations-Momenten vor einem Jahr.

  6. Nic sagt:

    Wanderweg?
    Sehr cooler Weg oder doch mehr ein Klettersteig. Sieht so aus, als sei es eine Reise wert.

  7. Jürgen sagt:

    Würd ich eher schon als Klettersteig bezeichnen ;)!

  8. Bernd sagt:

    Wahnsinn…und das nennt sich wirklich noch Wanderweg ;)?!
    Respekt…

    Gruß,
    Bernd

  9. JeeperMTJ sagt:

    Wir waren am CdR 2010 während eines Kletterurlaubs und hatten einen netten Nachmittag. Die Aussicht ist immer super in der Schlucht und es gibt einige ordentliche Kletterrouten zu bestaunen.

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